Die Alte Dame lud ein

Posted on 7. August 2012 von

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Diese Dame ist alt. Hat alles durchlebt. Überlebt. Steht manchmal wieder auf. Fällt dann wieder. Benötigt teure Gehhilfen. Erholt sich dann wieder. Wird dann größenwahnsinnig. Überschätzt sich. Und fällt wieder auf den Buckel und dorthin, wo es am meisten weh tut und wo sie sich niemals sehen will – in Liga zwei. Dort verkehrt sie nicht mehr in den feinen Kreisen. Die Räumlichkeiten sind kleiner, weniger extravagant, heruntergekommender. Dennoch bieten sie einen Flair, den die alte Dame nicht zu schätzen weiß. Sie will stets hoch hinaus, ohne Rücksicht auf Verluste. Doch momentan ist sie wieder stark angeschlagen und dennoch flüstert man sich immer wieder in Kreisen zu, dass sie es packen kann und wird. Noch einmal mit einem blauen Auge durchkommt.

Vor ein paar Tagen, am Freitag, lud sie zum Kaffeekränzchen ein. Nicht jeder durfte kommen. Doch sie wollte hinterher frohen Mutes ihre Gäste verabschieden. Drei Punkte sollten sie mitbringen. Sie dort lassen. In ihrem Heim, wo sie Tragödien erlebte sowie rauschende Feste gefeiert hat. Mickrig seien ihre Gäste. Mickrig klein. Aber sie haben Hunger mitgebracht. Damit hatte sie scheinbar nicht gerechnet. Und Herrje: Sie taten alles daran, sich nicht geschlagen zu geben.

Tja, Leute. Der erste Punkt ist eingefahren wie manchmal der ICE in Wolfsburg. Ich mag diese Rolle, in die der SCP gerne und immer wieder gesteckt wird. Sich dennoch wie Tweety von der bösen Miezekatze nicht schlucken lässt. Das Aufgalopp zeigt deutlich, dass alle hervorragend gearbeitet haben. Monsieur Born, der vor einem vermeintlichen Scherbenhaufen stand und der diesen scheinbar zu einer wundervollen Vase wieder zusammengeformt hat. Die Neuzugänge sorgen definitiv für Ausgelassenheit nach dem ganzen Aderlass. Tobias Feisthammel, Deniz Yilmaz, Mario Vrancic. Sie sind jute Jungs. Bissig, jung und unverbraucht. Genau wie Schmidt II, der Schmidt I ablöste. Schmidt II versteht etwas von „das Runde muss ins Eckige“. Er versteht es, Talente zu formen. Mit No-names zu arbeiten. Sie zu pushen. Sie zu verbessern. Sie zu prägen. Das hat er in der VW-Stadt bewiesen und wird es hoffentlich weiter in Paderborn fortführen. Nach der Vorbereitung und dem Auftakt scheint es zumindest so.

Obwohl, eigentlich hätte man – hätte, hätte, Fahrradkette –  auch dreifach punkten können. Die Hertha wird ihren Weg noch finden. Dazu ist Jos Luhukay ein zu guter Typ. Dafür ist der Kader zu gut besetzt. Aber sie waren am ersten Spieltag noch nicht auf ihrem Holzweg. Das merkte man und das war nun mal unsere Chance. Dank des Konjunktives lässt es sich weiter spekulieren. „Bohne“ Brückner hätte, hätte, Fahrradkette, auch nach seinem Nachtreten vorzeitig duschen gehen können und der Elfer war natürlich ein nettes Präsent. Merci! Aber insgesamt geht die Teilung in Ordnung, was selten bei mir in der Bruchrechnung und Algebra heraussprang. Ja, das war eine Partie auf Augenhöhe, obwohl die Konstellation etwas anderes vorsah: einen haushohen Sieg für Oma Hertha!

Hertha BSC Berlin: Burchert – M. Ndjeng, Hubnik , Brooks, Schulz – Lustenberger, Niemeyer (65. Wagner) – Beichler (57. Ramos), Kluge (60. Ronny), Knoll – Allagui.

SC Paderborn 07: L. Kruse – Wemmer, Feisthammel, Strohdiek, Bertels – Krösche, Demme (87. Zeitz) – Meha, Brückner (90. + 3 Ziegler)- Vrancic (87. Kempe) – Yilmaz.

Tore: 0:1 (43.) Yilmaz, 1:1 (64.) Ronny, 1:2 (86.) Meha, 2:2 (88.) Allagui.

Gelbe Karten: Hertha: Kluge, Wagner – SCP: Bertels, Feisthammel, Strohdiek.

Schiedsrichter: Deniz Aytekin.

Zuschauer: 23.404.

Foto: mrlins