Terek Grosny: Gullit, Forlan und der Größenwahn

Posted on 12. April 2011 von

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Der Name dieses Vereins sorgt für Kopfschütteln: Terek Grosny. Nie gehört. Nie wahrgenommen. Nicht existent? Doch! Terek geriet in die Medien, als sie den einstigen Weltfußballer Ruud Gullit als Trainer verpflichten konnten. Eine Maßnahme, die sofort auf ein reges Medieninteresse in Russland und außerhalb Russlands stieß. Sonst war Grosny eigentlich nur sportlich in die Schlagzeilen geraten, als sie als Zweitligist 2004 den russischen Pokal gewinnen konnten und folglich im UEFA-Cup antraten. Auch wenn Gullit als Trainer noch nichts Erwähnenswertes leistete, galt es als Sensation, dass ausgerechnet er ein Engagement in der Hauptstadt der Tschetschenischen Republik im russischen Kaukasus begann. Logisch. Nur eine angenehme Bezahlung zog ihn dahin. Was sonst? Behaupte ich…

In dieser Saison will Terek mit seinem Präsidenten Ramsan Kadyrow, gleichzeitig auch Präsident der Teilrepublik Tschetschenischen, hoch hinaus. Die Europacup-Qualifikation soll drin sein und wurde als Ziel ausgegeben. Nach einem missglücktem Saison-Start und den zwei Niederlagen gegen die favorisierten Clubs Zenit St. Petersburg und Rubin Kasan, folgte gegen Tom Tomsk der erste Dreier. Die Europa League liegt jedoch noch in weiter Ferne…

Tino Künzel, Redakteur für die Moskauer Deutsche Zeitung, kann als Terek Grosny-Experte unter den deutschen Journalisten bezeichnet werden. Seine Artikel sind es, auf die Wikipedia verweist. Passend zum ersten Heimspiel gegen Zenit schaute er sich das Spektakel live vor Ort an und berichtete in einer ausführlichen Reportage darüber – unbedingt lesen! Dort heißt es, dass eine Realisierung der Verpflichtung von Diego Forlan möglich gewesen sei, man sich aber nicht auf der Nase herumtanzen ließ:

Vielleicht hat ihm auch zugesetzt, wie Terek Grosnyj für einige prominente Namen belächelt wurde, die als Neuzugänge im Gespräch waren. Diego Forlan! Der beste Spieler der WM 2010, Kapitän der uruguayischen Nationalmannschaft, Stürmer von Atletico Madrid, 31 Jahre alt! Alchanow behauptet, man habe diesen dicken Fisch tatsächlich an der Angel gehabt – nur glaubt es ihm keiner. Und so steht der Sportminister nun da und zieht ein letztes As aus dem Ärmel. „Warten Sie, ich zeige Ihnen etwas.“ Er nimmt sein Handy zur Hand, ruft das SMS-Verzeichnis auf und liest vor: „Diego Forlan ist bereit, bei Terek Grosny zu unterschreiben. Für sieben Millionen Euro im Jahr.“

Terek Grosny und der Größenwahn. Am Ende der Saison wird abgerechnet. Steht Terek dann wirklich vor dem Einzug ins internationale Geschäft, komme es einem kleinem Wunder gleich – einem Wunder, das an den einstigen Triumph im Pokal erinnern würde.

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