Mit Mann und Maus

Posted on 17. September 2012 von

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Am liebsten natürlich geile Kombinationen. Kurzpässe. Doppelpässe. Dribblings. Ein paar Tricks noch dazu. Technische Finesse also. Spektakuläres. Immer her damit. Fallrückzieher. Seitfallzieher. Und um das Gesamtpaket zu schnüren, natürlich zusätzlich drei Punkte in der Form am Spieltag, an jedem. Menschen gewönnen sich allerdings. Menschen gewönnen sich an Regelmäßigkeiten und Monotonie. Schätzen manchmal deswegen nicht die simplen Dinge. Gerade deshalb wird König Fußball auch so fanatisch geliebt, weil er eben unberechenbar ist. Ständig neue Situationen bietet und oft unvorhersehbar ist. Geschichten schreibt. In die Geschichtsbücher wird der 1:0-Sieg im sächsischen Aue jedoch nicht eingehen. Genauso wenig wie wahrscheinlich alle anderen Partien des fünften Spieltags. Genauso wird er sich nicht in meinem Kopf festsetzen, als vielleicht emotionalstes Erlebnis gewertet werden. Einfach, weil es ein Sieg der Sorte dreckig, schmutzig, ecklig war.

Doch manchmal muss man zufrieden damit sein, was herausspringt. In diesem Fall drei Punkte. Wie sie errungen worden sind? Spätestens in einem Monat interessiert’s keinen mehr. Zumindest mich nicht. Drei Punkte sind drei Punkte, werden drei Punkte sein. Der Tabelle dagegen kann’s egal sein. Sie wird sich alles eintragen lassen und wird mit keiner Fußnote versehen, wie denn der Sieg über den kleinen, (einstigen?) Angstgegner Aue zustande kam.

Offensiv war’s schwach. Schwächer waren eigentlich nur die Auer in der Abteilung. Womöglich hätte der Mann mit den Kartons noch mal weitere 90. Minuten über die Anzeigetafel befehlen können – Aue hätte Kruses Tor nicht getroffen. Nicht heute. Die wirkten irgendwie so, als ob die alle mit dem falschen Fuß aufgestanden wären, insofern sie nicht beidfüßig sind. Aus diesem Grund reichte eine bescheidene Leistung, mit einer klasse Aktion von Philipp Hofmann, der natürlich folgerichtig von Werbung1 in den Himmel gelobt wurde, wie das nun mal bei den Jungen ohne Bartwuchs oft vorkommt, wenn sie von irgendwem mit Standing, in diesem Fall Horst Hrubesch, als künftige Heilsbringer genannt werden. Ansonsten hat er eine eher schwache Partie absolviert, mal nebenbei erwähnt – aber definitiv Instinkt bewiesen.

Auf die Aktion vom nächsten Youngster, Diego Demme, müssen wir ebenfalls zu sprechen kommen. Schon in der Vorbereitung hat er förmlich gebrannt. War heiß wie Frittenfett. Aber oft eben auch manchmal noch ein paar Grad zu viel, so dass er zu explodieren drohte. Sein Spielstil erinnert mich an einen Terrier. Ist einerseits sinnvoll („Akzente setzten“), andererseits muss Diego sein südländisches Temperament zügeln. Nicht nur, dass der Platzverweis selten dämlich war. Er schwächte damit seine Truppe und wird sie demnächst dank bevorstehender Sperre weiter schwächen, zumindest Zeit zum drüber nachdenken haben.

Obacht, von der Moral nachdem es elf gegen zehn hieß. Diesmal hat Schmidt IIs Truppe Kampfgeist bewiesen. Klar, kotzt es ein bisschen an, dass Zeit geschunden wurde. War nicht alles Fairplay. Doch nicht nur, dass Aue vorne unfähig war, unsere neuformierte Abwehr stand viel besser. Manuel Gulde kann was. Bitte öfter aufstellen! Manuel Zeitz ebenfalls.

Mit Mann und Maus verteidigt. Spielerisch nicht geglänzt wie Collinas Glatze. Aber wieder ein wenig Vertrauen aufgebaut. Möge der Sieg uns Antrieb geben.

Erzgebirge Aue: Männel – Klingbeil (68. Hensel), Rau, Paulus, Schlitte – Schröder, Hochscheidt – Fa. Müller, Kocer (56. V. Munteanu) – Sylvestr, Savran (53. König).

SC Paderborn 07: L. Kruse – Wemmer, Gulde, Strohdiek (76. Feisthammel), Bertels – Zeitz, Demme – Vrancic (86. Ziegler), Kempe – Yilmaz (90. Naki), P. Hofmann.

Tore: 0:1 P. Hofmann (51.).

Schiedsrichter: Martin Petersen.

Zuschauer: 8.000.

Foto: SC Paderborn Pressemappe 2011/12