„Eigene Gesetze“ – Phrasendrescher-Stoff

Posted on 21. August 2012 von

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Erstligist gegen Drittligist. Profis gegen Amateure. Millionäre gegen Hobbykicker. „Der Pokal hat seine eigenen Gesetze.“ Vor jeder Pokal-Runde gehört. Aber was heißt „Gesetze“? Für mich bedeuten Gesetze etwas Festgelegtes, eine Regelmäßigkeit, eine Verordnung. Heißt, wenig Spielraum. Sobald Hoffenheim, Hamburg, Bremen und der Rest rausfliegen, kommt sie wieder, die eingangs erwähnte Phrase. Aber erst dann. Kommen Dortmund, Gelsenkirchen & Co weiter, heißt es: „Hürde standesgemäß übersprungen.“ Wobei aller Voraussicht nach, statistisch gesehen, sicherlich die meisten Erstligisten ihrer Favoritenrolle gerecht werden, oder sagt die Pokalsieger-Liste etwas anderes? Warum und weswegen dann von Gesetzen sprechen? Einverstanden, wenn die Underdogs jedes Mal weiter kämen, wären es Gesetze! Metaphorisch kann man diese Drescherei mit Autofahren vergleichen:

Montags arbeiten. Leider wieder einmal verschlafen. „Dreckswecker!“ Gerade noch so die Zähne gereinigt. Den Bart stehen gelassen. An eine Stulle nicht zu denken. Ab ins Auto. Ausgerechnet. Ja, ausgerechnet wieder einmal in eine Rote-Ampel-Phase geraten. Eigentlich wie immer in dieser Straße, an dieser Kreuzung, in dieser Stadt, in diesem Bundesland, in diesem Land, in diesem Kontinent – auf diesem Planeten.

Das Ding ist, dass diese willkürlich gewählte Person nie meckern und loben würde, wenn sie freie Bahn und Grün gehabt hätte. Dann würde sie das als Selbstverständlichkeit ansehen. Identisches beim DFB-Pokal. Wenn VW Wolfsburg FC Schönberg 95 jedes Mal auf dem Spielfeld überholt… „Standard!“ Andersherum… „Gesetze!“

Bei uns kam noch ein weiteres Phrasendrescher-Leckerli hinzu. Auf dem Papier gegen die Arminia aus Bielefeld waren wir aufgrund der Ligazugehörigkeit der Favorit. Und weil Ostwestfalen nicht Texas ist, liegen Paderborn und Bielefeld ziemlich nah beieinander, womit wir beim nächsten Punkt wären. „Derbys haben ihre eigenen Gesetze!“ Auch das noch. Gähn. Und sowieso… „Der SCP und der DFB-Pott – das sind nochmals komplett andere Gesetze!“ Denn der SCP scheitert immer gerne recht früh, wie neuerdings wieder einmal bewiesen.

Arminia sei die wahre Nummer eins in OWL, heißt es nun von den Bielefeld-Anhängern. In Sachen Tradition sowieso. In Sachen Fans ebenfalls. In Sachen Liquidität und Liga zwar nicht, aber sonst schon. Kann man drehen, wie man will. Interessiert zumindest mich nicht die Bohne. Sollen die ihr Ding machen, wir machen unseres. Punkt. Aus. Dieser ganzen Rivalität mit großen Klappen und Sticheleien im Vereinsfußball kann ich nichts abgewinnen. Lieber ein Bier nach 90. Minuten nach der Partie mit dem Gegner trinken, anstatt die Nase anzuvisieren, und bisschen fachsimpeln. Nur macht das den Fußball leider selten aus. Umso mehr erinnere ich mich gerne an die WM 2006, als man auf internationale Gäste stieß und mit denen man trotzallem nach dem Wesentlichen, egal ob für sie erfolgreich oder nicht, anstoßen konnte.

Wahrlich war es dennoch nicht toll, wie wir uns gegen die Arminia präsentierten. Die Effizienz, die uns die ersten zwei Saisonspiele ausmachte, verflog irgendwie. Dickste Chancen wurden liegen gelassen – wie die von Capitano Krösche oder Brückner (streng genommen sind beide ja eh nicht gerade effektiv). Die Abwehr stand nicht sicher, insbesondere ein gewisser Herr Strohdiek, der häufig überlaufen wurde und große Probleme hatte. Der Schiri musste einmal den roten Karton auspacken bei Schönfelds Attacke, der wenige Minuten später bei einem sehenswerten, schwer zu verteidigenden  Angriff seiner Truppe abschloss und die Führung markierte. Beim dritten Gegentor und dem Elfer kam dann noch seltene Dämlichkeit hinzu. Übrigens will ich anbei, die wieder einmal gelungene Taktikanalyse der Spielverlagerung-Kollegen zur Partie empfehlen!

60:40 – so sah meine Prognose trotz aller Fußball-Gesetzeslagen für den SCP aus. Zu stark war der Saisonstart, der uns nach dieser Niederlage wieder auf den Boden der Tatsachen zurückkehren lässt. Die Erkenntnis, dass der Gegner leidenschaftlicher, bissiger und trotz der Temperaturen heißer agierte, bleibt nicht aus. Eigenschaften, die uns mittlerweile im Ligabetrieb ausmachen und auf die wir uns wieder besinnen müssen – denn nur damit lassen sich rauschende Feste feiern.

Arminia Bielefeld: Platins – Riemer, Hübener, Burmeister (83. Riese), Salger, Schütz, Hornig (62. Appiah) – Hille (60. Testroet), Schönfeld, Jerat – Klos.

SC Paderborn 07: L. Kruse – Wemmer, Feisthammel, Strohdiek, Bertels – Krösche, Demme (86. Zeitz) – Meha, Vrancic (72. P. Hofmann), Brückner – Yilmaz (79. Ornatelli).

Tore: 0:1 Meha (36.), 1:1 Schütz (55.), 2:1 Schönfeld (86.), 3:1 Hübener (90. + 3).

Schiedsrichter: Markus Wingenbach.

Zuschauer: 18.587.