Goldwerte Veränderungen

Posted on 11. August 2012 von

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Veränderungen tun weh. Die Klimaerwärmung. Die Schneeschmelze. Wir merken davon nichts, und deswegen sträuben wir uns, einen Wandel einzuleiten. Wieso? Weshalb? Warum? Wer nicht fragt, bleibt dumm! Letzteres passt. Veränderungen erfordern Flexibilität und bauen auf Vertrauen auf. Im Leben wie im Fußball. Die Verantwortlichen hantieren mit Spielern und Trainern. Die Fans haben kein Mitspracherecht und sind die passiven Betrachter von außen. Ihnen bleibt nichts, außer sich auf die Vereinsführung zu verlassen. Die Hände sind gebunden.

Im Fall von SC Paderborn war man kritisch. Die starke und eingespielte Innenverteidigung aus Sören Gonther und Florian Mohr brach weg, wechselte zu St. Pauli. Regisseur Enis Alushi zog es in die Pfalz, Torschützenkönig Nick Proschwitz auf die Insel und Everybody’s Darling, Chefcoach Roger Schmidt zu den Bullen. Personalien, die du nicht eins zu eins ersetzen kannst – aber auch nicht musst. Veränderungen bringen Neues. Manchmal Positives, manchmal wiederum ebenso reichlich Negatives.

Der Eindruck setzt sich beim SCP insbesondere nach dem 4:0-Sieg jedoch fest, dass die Veränderungen bis dato nur Positives mit sich bringen. Die aktuelle Mannschaft ist deutlich ausgeglichener, unberechenbarer: Alushi verlangsamt das Spiel nicht mehr. Die Funktion Proschwitzes ist auf mehrere Schultern verteilt. Stephan Schmidt hat Rogers System weiter reifen lassen. „Hier wird nicht gebolzt. Hier wird viel Wert auf das Spielerische gelegt“, erklärte Neuzugang Deniz Yilmaz im Einklang. Modern lautet das Stichwort. Unser Fußball erinnert immer mehr an den BVB aus den letzten beiden Spielzeiten. Möglich, dass sich der auf der Tribüne sitzende Hans-Joachim Watzke dies ebenfalls gedacht hat. Tatsache, dass uns das Markenzeichen des schönen und gleichzeitig erfolgreichen Fußballs stolz macht.

Präsident Wilfried Finke und Manager Michael Born wollten keine Feuerwehrmänner und Haudegen. Keine Kaliber à la Funkel, Neururer & Co. Sie wollten und haben bekommen. Wieder einmal zogen sie dabei die richtige Karte, die Stephan Schmidt-Karte. Überhaupt scheint er ohne Frage der richtige Mann der vakanten Position auf der Bank zu sein. Wie er seine Zöglinge in die Hand nimmt. Sie liebevoll tätschelt. Sie motiviert und Mut zuspricht. Den Balljungen abklatscht. Ein ständiges Lächeln mit sich trägt. Sich rhetorisch ausdrückt. Es hat Hand und Fuß. Schmidt II ein Gewinn? Ja, und wie! Schmidt I war der Mann, auf den wir seit Jahren gewartet haben. Mit dem Verein und der Stadt verbunden. Einer, mit dem man am liebsten den ewigen Bund der Ehe eingegangen wäre. Obwohl ich über seinen schnellen Abflug trauerte, weine ich ihm keine Träne mehr hinterher! Denn Veränderungen müssen sein, auch wenn sie gezwungenermaßen und unausweichlich sind…

Heute sind wir wie eine echte Heimmannschaft aufgetreten. Geschlossen. Variabel. Kämpferisch. Zu schnell für die statischen Maltritz und Sinkiewicz. Wir nahmen die Zügel nach einer Anpassungsphase in die Hand. Bestimmten die Partie. Nahmen nach den Führungen Tempo raus. Das wirkte abgezockt. Mit Mario Vrancic hat man des Weiteren einen Akteur verpflichtet, der mal eben trocken abschließen kann. Kein Chancentod ist, was häufig unser Problem war. Ein würdiger Typ auf der Position hinter der quirligen Spitze Yilmaz. Ein Proschwitz ist er nicht. Aber gerade das befürworte ich. Er hat andere Qualitäten. Mit ihm wird das Mittelfeld torgefährlicher.

Die Mechanismen greifen. Sie machen Freude. Die Mannschaft ist intakt. Ein hartes Auftaktprogramm mit Hertha und Bochum. Vier Punkte. Ich höre oft von anderen Mannschaften, dass sie sich erst finden müssen, wie Bochums Torwart Luthe nach der Partie sagte. Wir dagegen haben uns schnell gefunden. Davon bin ich überzeugt. Die neue Saison wird viel Spaß machen. Der Abstieg frühzeitig kein Thema sein, denn unsere Veränderungen sind unheimlich ansehnlich! Paderborn steht für Klasse und wird erneut über Ostwestfalen hinaus, für Schlagzeilen sorgen. Und jetzt ich fahre ich den Euphoriemodus erst mal wieder nach unten… Spitzenreiter, Spitzenreiter, hey, hey!

SC Paderborn 07: L. Kruse – Wemmer, Feisthammel, Strohdiek, Bertels – Krösche (59. Zeitz), Demme (85. P. Hofmann) – Meha, Vrancic, Brückner (77. Ziegler) – Yilmaz.

VfL Bochum: Luthe – Rothenbach, Maltritz, Sinkiewicz, Brügmann – Dabrowski (60. Freier), Kramer – Goretzka (77. Scheidhauer), Tasaka – Iashvili, Dedic (77. Gelashvili).

Tore: 1:0 Vrancic (24.), 2:0 Meha (40.), 3:0 Vrancic (50.), 4:0 Yilmaz (82.).

Gelbe Karten: SCP: – Bochum: Brügmann , Dabrowski, Kramer.

Schiedsrichter: Florian Meyer.

Zuschauer: 10.764.

Foto: © alles-schlumpf

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