Adler die Flügel gestutzt

Posted on 26. Februar 2012 von

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Eine Geschichte, wie sie der SC Paderborn 07 schreibt… Gestern noch diskutierte ich, in welchem Bereich angesichts der vielen Verletzten die Partie gegen Eintracht Frankfurt ausfallen wird. Ein Remis setzten wir mit einem Sieg gleich. Vielmehr ging es darum, sich ordentlich zu verkaufen, Schadensbegrenzung zu betreiben…und dann so was! Während ich hier voller Euphorie schreibe und versuche die Eindrücke zusammenzufassen, bin ich auf der Suche nach Worte wie überwältigend, fabelhaft, brillant, meisterhaft, sagenhaft, verblüffend. Das was heute passiert ist, ist eigentlich unbeschreiblich, aber dennoch wahr…

Trainer Schmidt musste auf die etatmäßigen Stammspieler Krösche und Bertels verzichten. Doch wie so oft in der Saison machte er diesmal wieder im taktischen Bereich alles richtig und bewies ein Goldhändchen. Schon gegen die Fortuna setzte er zur Verblüffung vieler Bertels als Hängende Spitze bzw. als 10er ein. Nun beförderte er Rupp ins Defensive Mittelfeld. Wemmer wich auf Bertels Position (linke Außenbahn) und Demme wiederum besetzte die rechte Seite. Dabei stach insbesondere Rupp, eigentlich weniger zentral kommend heraus. Die viel offensivere Variante zu Krösche störte genauso wie Alushi und setzte stets Akzente nach vorne. Ein weiterer Geniestreich war die Beförderung von Kara – für mich übrigens neben Meha der Spieler des Spiels. Zu keinem Zeitpunkt bekam die Frankfurter Offensive ihn in den Griff, diesen Lausbub, diese Zaubermaus!

Eigentlich, ja eigentlich ist Frankfurt eine Mannschaft, gepickt mit Akteuren wie Benjamin Köhler, Alexander Meier oder Mohamadou Idrissou, die allesamt grundsolide Bundesligaspieler sind. Mit Ausnahme nach dem zwei-Tore-Vorsprung, als die Frankfurter aufdrehten, kamen sie nie wirklich ins Rollen. Das lag hauptsächlich daran, dass wir wie Prinz Eisenherz uns nicht versteckten, die ganze Zeit über mutig nach vorne spielten und die Adler beschäftigten. Also, keineswegs wie es viele Kleine gegen die Großen mit ihren Igel-Taktikten versuchen! Ganz ehrlich, zwischendurch lag ein Hauch von – ich mag es gar nicht aussprechen – erster Liga in der Luft. Wie wir kombinierten. Locker-flockig verschiedene wunderbare Spielzüge abschlossen. Wie die Bälle von Meha und Kara fast gestreichelt wurden. Soll da jemand, wie nach dem Fortuna-Spiel noch ankommen mit: „Aber die Eintracht hatte doch einen ganz schlimmen Tag erwischt. Das war ihr schlechtestes Spiel der Saison!“ Klar, jedoch muss eine Zweitligamannschaft erst mal erzwingen, dass Eintracht einen schwarzen Tag erwischt und so demontiert wird. Einzelaktionen kann man immer von den Jungs aus Mainhattan erwarten.

Trotz allen Pappenheimern und Miesepetern, die vor dem Spiel des Gegners Tore bereits an der Hand abzählten, wusste ich, dass wir (müsste mittlerweile über die Pader hinaus bekannt sein) die haushohen Favoriten stets Zuhause schlagen können, respektive top aussehen können. Ich erinnere mich an die Sprücheklopfer aus Berlin oder an das Unentschieden 2007/08 gegen Köln etc. pp. Es ist alles möglich, vor allen Dingen mit Trainern, die den taktischen Sachverstand besitzen, um eben diese Riesen zum Stürzen zu bringen! Irgendwie, ich weiß auch nicht warum, schaffen es unsere Jungs immer aufs Neue noch ein paar Prozente vor solchen David-Golliath-Aufeinandertreffen aus sich heraus zu kitzeln.

Umso beachtlicher ist der souveräne Sieg über die Eintracht, nachdem der Haussegen ein wenig schief hang. Die Niederlage gegen Fürth. Das Unentschieden gegen Dresden. Es schien, als ob sich der SCP aus dem Aufstiegskampf verabschieden würde. Der eingetretene  Knick nach Weihnachten und Silvester. Die Spieler würden die Köpfe nicht mehr frei bekommen, weil sie über das Erreichte nachdenken würden. Andere, sollten sich bereits in der Bettwäsche ihrer neuen Vereine wälzen und nicht mehr ganz da sein.  Pfaaah, denkste. Stattdessen lassen wir uns weiterhin ein Hintertürchen offen. Dürfen nach dieser Leistung zu Recht träumen. Stopfen den Kritikern mit diesem Paukenschlag den Schlund! Der SC Paderborn 07 der Spielzeit 2011/12 ist einfach nur: formidable, à la bonne heure!!!

SC Paderborn 07:

L. Kruse – Demme , Mohr, Strohdiek, Wemmer – Alushi, Rupp – Brandy (81. Brückner), Kara (89. Taylor), Meha (90. Guié-Mien) – Proschwitz

Eintracht Frankfurt:

Nikolov – S. Jung, Anderson, Schildenfeld (74. Djakpa), Butscher – Rode, M. Lehmann – Matmour (60. Idrissou), Meier, Köhler – Hoffer (65. Friend)

Tore:

1:0 (6.) Proschwitz

2:0 (18.) Kara

2:1 (26.) Köhler

2:2 (42.) Meier

3:2 (58.) Rupp

4:2 (64.) Wemmer

Schiedsrichter: Guido Winkmann (Kerken)

Zuschauer: 15.000

Foto: sean94110