Interview mit mir im Kleeblattblog

Posted on 11. Februar 2012 von

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Vor dem Topspiel (!) am Sonntag gegen die Spielvereinigung Greuther Fürth befragte mich das Kleeblattblog. Es ging um unseren Höhenflug, Rivalitäten, Tradition und reichlich andere Dinge. Das Interview, das es auch im Fürther Blog zu lesen gibt, möchte ich euch nicht vorenthalten, deswegen nun auch hier die komplette Fassung…

Welche Erwartungen hattest Du vor Saisonbeginn von Deiner Mannschaft und in wie fern decken sich diese mit dem bisher Erreichten?

Schon nach der Vorbereitung war durch die Neuverpflichtungen klar, dass wir eine bessere Rolle spielen werden als letzte Saison, in der man lange um den Klassenerhalt bangen musste und es spielerisch doch überwiegend dünn war. Primär stand vor dieser Saison einzig und alleine fest, dass das wichtigste Ziel erneut der Ligaverbleib ist – da braucht man bei unserem Etat und den Möglichkeiten nichts anderes zu erwarten.

Paderborn steht nicht für Wenige überraschend derzeit auf dem 3. Tabellenplatz. Viele hatten den SCP eher am anderen Ende der Tabelle erwartet. Ist aus Deiner Sicht der aktuelle „Höhenflug“ eine Überraschung oder hat sich dieser in irgendeiner Form bereits vorher schon angekündigt?

Nein, wie hätte er sich denn vorher ankündigen sollen? Wir haben doch nicht plötzlich, überspitzt dargestellt, Messis, Ronaldos und Özils bei uns begrüßen dürfen. Stattdessen gingen der Nobody und neue Trainer Roger Schmidt und Manager Michael Born den Schritt, im Profifußball unbekannte Namen aus der Regionalliga wie Alban Meha, Thomas Bertels oder Mehmet Kara zu verpflichten.

Alles in allem waren diese Jungs mehr Wundertüten. Bei Meha hat sich herauskristallisiert, dass er wahrscheinlich zu den besten Kunstschützen der ersten drei Ligen gehört. Bertels schloss die Baustelle des linken Verteidigers. Zudem zog man ein Glückslos mit Nick Proschwitz, der ja aktuell bester Torschütze der Liga ist. Welcher deutsche Verein hatte den schon vorher auf dem Schirm? Von Spieltag zu Spieltag manifestierte es sich, dass die Mannschaft immer mehr zu einer Einheit wurde. Das Selbstvertrauen stieg, jeder ackerte für den Anderen. Diese geschlossenen Mannschaftsleistungen und ein unbeschreiblicher Biss gepaart mit anfänglicher Unterschätzung seitens der Gegner sorgte für diesen „Höhenflug“.

Das die Kugel so rollen würde, hätte hier niemand gedacht – außer unser Präsident Wilfried Finke, der bereits vor der Saison tönte, dass man durchaus Platz fünf und mehr erreichen kann. Solche Aussagen wurden jedoch von den Fans belächelt, da Finke in der Vergangenheit öfter mal realitätsfremde Aussagen tätigte, um für Schlagzeilen zu sorgen.

Wer steigt Deiner Meinung nach am Saisonende aus der 2. Bundesliga auf bzw. ab und wo landet letztlich Paderborn am Ende?

Schwierig zu sagen. Frankfurt ist für mich eigentlich der Favorit. Alle Teams liegen von den Punkten her nah beieinander. So richtig patzen tut irgendwie niemand über mehrere Spieltage gesehen. Am Ende wird es wirklich spannend.

Für Paderborn wünsche ich mir, dass wir es irgendwie hinbekommen auf Platz drei zu landen. Dann gibt es noch mal als Sahnehäubchen zwei spannende Partien gegen einen Erstligisten, den wir eventuell ärgern können. Unser Märchen kann schnell enden, der Traum wie eine Seifenblase platzen. Für mich ist es noch unvorstellbar, was passiert, wenn wir tatsächlich Erster oder Zweiter werden. Da müsste man mich erst mal wochenlang kneifen. Ein Vorteil könnte sein, dass uns immer noch niemand von den ersten Vereinen für voll nimmt. Das wäre sensationell, wenn es so bleiben würde und wir uns leise und geschmeidig Spieltag für Spieltag ganz oben behaupten könnten. Einzig und alleine die Eintracht um Trainer Veh und Manager Hübner ließen über die Medien verlauten, dass sie uns tatsächlich als Kontrahenten sehen.

Absteigen werden meiner Meinung nach Hansa und der FSV. Ingolstadt oder der KSC müssen in die Relegation.

Wo siehst Du Deinen Verein in 5 Jahren? Geht’s weiter bergauf mit der Entwicklung oder ist das alles nur eine Momentaufnahme?

Es geht bergauf. Vor Jahren hat man eine Fankultur vergebens gesucht. Für einen Verein wie dem SCP, der über keine Tradition verfügt und dessen Stadt auch nicht über 500.000 Einwohner zählt, ist es verdammt schwer sich zu etablieren. Zumal es eigentlich viele Ostwestfalen eher nach Dortmund, Schalke, Gladbach oder meinetwegen Bochum oder früher natürlich Bielefeld zieht als nach Paderborn. Sicherlich verständlich. Doch es passiert was. Die Zuschauerzahlen gehen zwar langsam in die Höhe, aber sie steigen. Neue Sponsoren werden gefunden. Auswärts fahren immer mehr mit. Es ist keine Seltenheit mehr, in der Paderborner Innenstadt junge Menschen mit SCP-Trikots und -Merchandise zu sehen.

Immens wichtig waren auch die Tatsachen, dass Schmidt und Born verlängert haben. Beide machen eine super Arbeit. Mittelfristig sollte es unser Ziel sein, sich wie Fürth in der zweiten Bundesliga zu etablieren, vielleicht dann irgendwann mal ein Auge auf Liga eins zu werfen und Talente aus dem Hut zu zaubern, die man wiederum gegen Ablösen verscherbeln kann.

Einbeziehen muss man natürlich auch, dass immer wieder Rückschläge kommen, die man als kleiner Verein erleiden muss. Das Interesse anderer, größerer Vereine an Protagonisten wie Proschwitz, Alushi oder Gonther ist gestiegen. Es wird schwierig sein, alle Leistungsträger zu halten. Dieser Tatsache sehe ich allerdings optimistisch entgegen. Wenn nicht das komplette Grundgerüst wegbricht, kann man jeden ersetzen. In dieser Saison hat man es mit kleinen Mitteln bereits einmal gezeigt. Sicherlich gehört eine Portion Glück dazu, doch warum sollte es nicht noch einmal klappen, solche Männer zu verpflichten?

Der regionale Hauptrivale des SC Paderborn 07 dürfte Arminia Bielefeld sein, aber auch Münster, Osnabrück oder Kassel sind nicht all zu fern. Wie siehst Du das mit der Rivalität – klassisch Bielefeld oder doch ein anderer Verein?

Ich bin weniger Fan von dieser im Fußball oftmals inszenierten Rivalität, um die Zuschauerzahlen und Medienberichte anzukurbeln. Bei Barcelona-Madrid oder Dortmund-Schalke kann ich sie allerdings verstehen.

Wenn ein Verein gute Arbeit leistet, gönne ich es ihm. Arminia Bielefeld juckt mich eigentlich nicht besonders. Viel mehr regen mich arrogante und überhebliche Aussagen aus den jeweiligen Fanlagern auf, aber da muss man manchmal drüberstehen.

Wenn Du Deinen Verein, seine Geschichte und seine Zukunft in drei bis fünf Sätzen zusammenfassen müsstest, was würdest Du schreiben?

Das erste Mal im Stadion war ich vor zwölf Jahren. Seitdem hängt keine Stromleitung mehr über dem Spielfeld, aufgrund dieser man immer insbesondere voller Spannung zusah, wenn ein Torwart einen hohen Abschlag abfeuerte. Mittlerweile sitzen in den Büdchen vor dem neuen Stadion auch nicht mehr die alten, ehrenamtlichen Rentner sondern aufgeputzte Damen, die Tickets verkaufen. Das erste Mal seit der Hoyzer-Geschichte interessieren sich nicht mehr nur lokale Gazetten für den SCP. Man nimmt den Verein mehr war, dass fußballaffine Menschen in Flensburg, Görlitz oder Konstanz sagen können: “Jepp, vom SC Paderborn 07 habe ich schon mal gehört”.

Interessierst Du Dich auch für andere Vereine außer dem SCP? Wenn ja, welche? Besuchst Du auch die Spiele dieses Vereins oder besuchst Du hin und wieder auch Spiele anderer Vereine, zu welchen Du gar keinen Bezug hast?

Als Fußballfan bin ich nicht so stur, dass ich mir nur Spiele vom SCP anschaue. Ich besuche durchaus auch andere Stadien, wenn ich mal zufälligerweise in der Nähe bin und es zeitlich passt. Das geht von Regionalliga bis 1. Liga. Aber der SCP besitzt die höchste Priorität.

Der SC Paderborn 07 ist ein klassischer Fusionsverein, welcher Mitte der 80er entstanden ist. Nagt dies ein wenig an einem und der eigenen Identifikation mit dem Verein oder steht man da drüber, wenn einem aus anderen Fanlagern oft mangelnde Tradition und das Image eines “Plastikvereins” (=Kunstverein) vorgeworfen wird?

Diese Sprüche haften keineswegs an. Es ist nun mal so und fertig. Aber mit einem “Kunstverein” hat ein SC Paderborn 07 nur wenig am Hut. Wenn dann würden solche Kriterien mehr auf Vereine wie Hoffenheim, Wolfsburg oder Ingolstadt zutreffen. Bei uns öffnet kein Dagobert Duck seine komplette Geldschatulle und fordert auf, sich reichlich zu bedienen. Vielmehr wird ehrliche Arbeit geleistet, auch wenn man natürlich berücksichtigen muss, dass wir ohne unseren Mäzen Finke nicht da stehen würden, wo wir gerade sind.

Was soll man denn nun machen, wenn man keine Tradition hat? Man lebt damit und fertig, und nebenbei bemerkt, gibt es auch immer wieder andere Punkte, die man anderen Vereinen ankreiden kann, nicht nur mangelnde Tradition sondern krasse Misswirtschaft oder Ähnliches. Soll man sich jetzt unter dem Bett verstecken, wenn man keine Tradition vorweisen kann? Wir leben, ganz philosophisch gesagt, im Hier und Jetzt! Was bringt mir Tradition, wenn beispielsweise mein Verein 1. FC Magdeburg in den Niederungen des Fußballs herumdümpelt und ich immer wieder auspacke, was noch in den 70ern geschah? Nämlich gar nichts!

Mit der SpVgg aus Fürth ist es ja auch so eine Sache. Vom Prinzip her ist man zwar kein Fusionsverein, aber in der Außenwahrnehmung wird man oft fälschlicherweise als solcher hingestellt. Wie ist die Wahrnehmung der SpVgg bei Dir und allgemein beim Anhang des SC Paderborn 07? Sieht man uns dort mehr als den Traditionsverein, der einst drei mal Meister war oder doch als den Verein, den man nur dadurch kennt, weil die Fußballer des TSV Vestenbergsgreuth einst den großen FC Bayern München aus dem Pokal geworfen haben, ehe sie dann der SpVgg Fürth beigetreten sind?

Wie angemerkt, spielt Tradition für mich keine besondere Rolle. Ich bin kein engstirniger Kuttenträger, sondern kann Distanz zum Fußball wahren und objektiv sein. Was die Spielvereinigung angeht, blicke ich dieser positiv entgegen. Soweit ich weiß, gibt es auch eine kleine Fanfreundschaft zwischen einigen Paderborn- und Fürth-Fans.

Mit Fürth assoziiere ich leidenschaftlichen Fußball, den der Trainer stets vorlebt. Ich gönne Euch den Erfolg. Jedes Jahr verliert man Leistungsträger, Talente und rappelt sich immer wieder auf, ersetzt diese. Das ist beachtlich und ich würd mir endlich mal für Fürth wünschen, obwohl sie, glaube ich zumindest, über eine ähnlich kleine Fankultur, wie wir sie haben, verfügen, dass sie endlich mal den Schritt ins Oberhaus schaffen.

Wieder zum Sportlichen. Im Hinspiel verlor Paderborn knapp gegen Fürth, im DFB-Pokal setzte es eine deutliche Niederlage. Welche Chancen rechnest Du Dir für das jetzige Aufeinandertreffen Deines Vereins gegen uns aus?

Das wird für uns ein ganz harter Brocken. Bei den letzten Aufeinandertreffen sahen wir gar nicht gut aus. Zwar stellt das Spiel im DFB-Pokal, in dem die Fürther jede Chance effektiv nutzen konnten, den Verlauf auf den Kopf, aber irgendwie liegt ihr uns momentan nicht. Zumal fällt höchstwahrscheinlich unsere Stamm-Innenverteidigung mit Sören Gonther und Florian Mohr aus – diese wird in Fachkreisen zu den eingespieltesten und besten Duos in Liga zwei gezählt. Das ist eine enorme Schwächung gegen die offensivstarken Fürther.

Auf der anderen Seite hat Fürth ein kräftezehrendes Pokalspiel unter der Woche hinter sich, strotzen sie demnach nach dem Sieg auch voller Selbstvertrauen. Unterm Strich wäre ich mit einem Pünktchen schon sehr zufrieden.

Wenn Du Dir einen Spieler aus Fürth für Paderborn aussuchen dürftest, wen würdest Du nehmen und warum?

Da wären so einige… Heinrich Schmidtgal hat mir schon zu Oberhausen-Zeiten stets gefallen und auch sein Vordermann auf der linken Seite, Stephan Schröck, glänzte immer gegen uns. Zudem hat Fürth eine ansehnliche Sturmabteilung mit Olivier Occean und Christopher Nöthe, da reicht nur ein Blick auf die Statistik. Mit Kusshand würde ich auch einen Spieler wie Dani Schahin bei uns begrüßen, der sich ja momentan hinten anstellen muss, jedoch in Dresden Außergewöhnliches geleistet hat. Auch ein Gerald Asamoah – ich weiß zwar nicht mehr genau, was er noch drauf hat – würde uns gut tun, da das Medieninteresse noch weiter steigen würde.

Mit Daniel Brückner und Jens Grahl stehen auch zwei Ex-Fürther beim SCP unter Vertrag. Jens Grahl kommt als Ersatztorhüter nicht zum Einsatz, Daniel Brückner gilt aber als Stammspieler. Was hältst Du von ihm?

Bohne hatte seinen Höhepunkt in der Saison 2009/10, als alles bei ihm klappen wollte. In dieser Spielzeit vernaschte er mit seinen Tricks einfach jeden Verteidiger und zählte nicht zu Unrecht zu den besten linken Mittelfeldspielern, respektive vielleicht zu dem besten. Damals erzielte er neun Buden, sieben Assists und harmonierte prächtig mit den anderen Akteuren wie Alushi, Schachten oder Saglik. Dazu muss man auch nach drei Jahren sagen, dass es wohlmöglich seine allerbeste Spielzeit als Profi war und er über seinem Level spielte. Ab und zu blitzt seine Genialität auf, doch mangelt es ihm seit jeher ein wenig an Selbstvertrauen und Selbstüberschätzung. Oftmals lässt er seinen Kopf hängen, wenn etwas nicht klappt. Manchmal scheint er, nicht mehr spritzig genug zu wirken.

In der Fan-Szene, die ihn teils immer noch mit „Fußballgott“ begrüßt, ist er allerdings nicht mehr unangefochten und nicht gerade der Spieler, der in dieser erfolgreichen Mannschaft herausragt. Trotzdem ist er ein Bestandteil der Mannschaft und durch sein Standing setzten vielen Trainer häufig gleich zwei Abwehrer gegen ihn ein, wodurch natürlich Räume für andere entstehen.

Fürth gilt als “unaufsteigbares” Team. Wie schätzt Du den weiteren Verlauf der Saison für die Fürther ein – schafft man es dort endlich oder wird man, wie immer, scheitern?

Nach dem Dresden-Spiel hielt ja wieder ein Reporter Mike Büskens ein Mikro ins Gesicht und stellte ihm erneut diese Frage. Er antwortete, dass er das nicht mehr hören könne. Wichtig ist, dass die Mannschaft sich von diesem Medienstempel “unaufsteigbar” nicht beirren lässt.

Manchmal habe ich das Gefühl, dass diese ständige Konfrontation mit Ausdrücken wie zum Beispiel “Vizekusen” die Spieler ein wenig hemmt und demnach einige wichtige Prozent bei der Abrufung der Leistung fehlen. Die Mannschaft sollte niemals daran denken, geschweige sich das einreden, sondern versuchen mit freiem Kopf zu spielen und den Druck, den die Medien und das Umfeld aufbauen, nicht beachten. Vor der Saison war meine Prognose, dass Fürth aufsteigt…

Warst Du schon einmal in Fürth, egal ob zum Fußball oder einfach nur so? Welche Eindrücke hattest Du?

Bisher noch nicht. Aber ich habe dort wohnende Freunde. Das gilt es irgendwann mal nachzuholen. Diese Saison klappt es nicht mehr. Vielleicht stehen sich ja auch nächste Saison beide Mannschaften erneut gegenüber. Vielleicht heißt es ja dann: das Duell der Aufsteiger.🙂