Nicht nur Dusel, sondern Können

Posted on 9. November 2011 von

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Woche für Woche, Spieltag für Spieltag wird gemutmaßt: Wie kommt Paderborn auf so viele Punkte, wie ist es möglich, dass sie so konstant spielen und da stehen? Kompaktheit. Funktionierende Mannschaft. Taktische Einstellung. Durchhalte-,  Sieges- und Kampfeswille. Ein Sammelsurium an Argumenten, die für diese Erfolgsstory sprechen und fallen. Dabei wird auch regelmäßig das Wörtchen Glück verwendet: „Glücklicher Sieg.“ „Die Unterlegenen gewinnen glücklich.“ Wenn es nicht läuft, präferiert man zu Pech (sowie ich es auch oft in der Vergangenheit tat). Wenn es gut läuft, spricht man von Glück.

Mittlerweile sind 14 Spieltage absolviert. Natürlich hatten wir in diesen Aufeinandertreffen auch in einigen Situationen Fortuna auf unserer Seite. Sowie am vergangenen Sonntag gegen Cottbus bei dem Führungs- bzw. Eigentor, diesem komischen „ich fälsche ab, du fälschst ab“-Tor. Vorab, ich habe nur die dürftige Zusammenfassung von Sky gesehen… Die Berichterstattungen bestätigen auch, dass es spielerisch kein Leckerbissen war. Wir anfangs nur kompakt verteidigten und Cottbus keine Mittel dagegen fand.

Dieses nur verteidigen wird sowieso in der Fußballwelt unterschätzt. Liebhaber schätzen diese Form vom Fußball nicht, auch ich eigentlich nicht. Die Arbeit, die hinter dieser Disziplin steckt, spiegelt nicht die Schönheit des Fußballs wieder. Zum Beispiel hätte man lieber den Portugiesen oder Holländern den EM-Titel 2004 als den Griechen gegönnt; die Champions League 2009/10 lieber FC Barcelona als Inter Mailand. Technische Raffinesse statt Ergebnisfußball! Wir, der SC Paderborn, verinnerlichen beides.

Ich selbst kann mir das derzeitige Punktekonto und den aktuellen Tabellenplatz nicht mehr erklären. Jedes neue Spiel bedeutet für mich gleichzeitig Skepsis, dass die Serie danach reißen wird, eine Negativserie beginnt. Und doch werde ich glücklicherweise immer wieder eines Besseren belehrt. Deswegen gehe ich weiter und behaupte, dass es momentan nicht nur Glück ist, sondern Können. Kein Verein der Welt kann so lange die Gunst des Schicksals auf seiner Seite haben. Es sind die Früchte der harten Arbeit – des Trainers, des Managers, der Mannschaft – und nicht mehr.

Wir zeigen momentan den besten Fußball unserer Vereinsgeschichte (10 x in Folge ungeschlagen; fünf der acht Auswärtsspiele gewonnen = Zweiter in der Auswärtstabelle). Komme was wolle. Mögen die restlichen Spiele verloren gehen – das bereits Erreichte kann man uns nicht mehr nehmen. Das kleine Provinz-Paderborn, wohin die potentiellen Erstliga-Absteiger jedes Jahr aufs Neue nicht hinwollen, weil es für Tristesse steht, agiert so unwiderstehlich, überragend, überraschend. Zeigt es allen. Ich bin unglaublich stolz und gleichzeitig sprachlos!

Energie Cottbus: Kirschbaum – Müller, Hünemeier, Roger, Ziebig – Banovic, Kruska, Reimerink (66. Straith) – Adlung, Kronaveter – Rangelov (15. Kobylanski).

SC Paderborn 07: Kruse, Wemmer, Gonther, Strohdiek (55. Palionis), Bertels – Mohr, Alushi – Meha (81. Kara), Brückner – Proschwitz, Brandy (67. Taylor).

Tore:
0:1 (68.) Müller (Eigentor)
0:2 (72.) Proschwitz (Foulelfmeter)

Gelbe Karten:
FCE: Kronaveter, Ziebig
SCP: Mohr

Schiedsrichter:
Markus Wingenbach (Diez)

Zuschauer:
8.725

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