SC Paderborn: Gurkenkick

Posted on 24. Oktober 2011 von

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Da schwärmt man einem Freund vor, unbedingt doch mal den SCP live sehen zu müssen. Was der Verein mit einem so geringen Etat momentan zu Stande bringt. Wie die Arbeit Früchte trägt. Dass zweite Bundesliga fußballerisch auch ganz ordentlich sein kann. Und zwingt ihn schließlich seine Leinwand auszubreiten, damit ein Feeling, meinem Kollegen (Bayern-Fan) eher aus der Champions League bekannt, entstehen kann. Nach 70. Minuten bleiben mir dann die Argumente aus. „Das ist das Schlechteste, was ich mir in den letzten Jahren mal angeschaut habe“, resümiert er. Gegenargumente hatte ich keine mehr. Und doch bin ich über den Punkt und das Tor, das ich nicht mehr mitbekam, weil wir beschlossen, uns nach der 70. Minute sportlich zu betätigen, froh – auch wenn Kasimir wohl den Bayern-Schal in naher Zukunft nicht mit einem Paderborn-Anhängsel tauschen wird… Damn!

Tatsächlich war das nicht gerade berauschend, was wir praktizierten. Auf der Gegenseite sollte die Leistung von 1860 auch nicht deren Anspruch sein. Viele mickrige und grobe Fouls störten. Dutzende, unendlich viele Fehlpässe. Kombinationen? Kaum zu sehen. Schon früh unterliefen uns im Spielaufbau eklatante Fehler, Unachtsamkeiten, die oft in dieser Liga bestraft werden. Dennoch hätte das 1:0 durch Volland mitnichten zählen dürfen. Niemals. Einverstanden, der Schiri nimmt eine schlechte Position ein. Wird wohl nicht gesehen haben, dass Volland bei der Flanke teils mit dem Arm, teils mit dem Oberschenkel abschloss. Doch der Linienrichter hat das eigentlich zu merken… Zumal Volland schon Gelb sah und man darüber spekulieren kann, ob er statt Tor nicht vielleicht einen Platzverweis zugesprochen bekommen hätte. Sicherlich, Kruse muss die Flanke eigentlich haben, Bertels den Flankengeber nicht flanken lassen und Wemmer oder einer der Innenverteidiger muss auf Volland aufpassen. Die Symbiose aus Fehlern und einer Regelwidrigkeit sorgt dann manchmal für so ein dummes Tor.

Dann notierte ich mir noch, dass die linke Außenbahn um das Doppel B – Brückner und Bertels – abfiel, dass 1860 meist über diese Seite und Bierofka oder Aigner probierte, Angriffe zu schalten. Bertels mache ich mal keinen Vorwurf, der war so überragend in den letzten Wochen, kann auch mal neben der Spur sein. Was Brückner betrifft – schon im letzten Spiel riet ich dazu und werde es wieder tun –, braucht der Mann unbedingt mal eine Pause. Ist es mangelndes Selbstvertrauen? Kein Bock? Kondition? Verunsicherung? Normalerweise dürfte man gar nichts davon gelten lassen. Es ist schlicht ein Formtief, das sich schon über Monate zieht und aus dem er irgendwie nicht herauskommt. Statt nur auf ihn zu setzen, würde ich mir wünschen, dass er einfach mal draußen bleibt und eingewechselt wird. Kara, Guié-Mien oder sogar Erlbeck – Alternativen sind doch da. Ferner würde ich mir wünschen, dass Schmidt mal früher wechseln sollte. Laut Radio Hochstift sorgten die Einwechselungen (Guié-Mien und Taylor) für frische Akzente und dementsprechend auch für das Tor. Mit dem Zeitpunkt der Wechsel hat es der Schmidt irgendwie noch nicht so… Zehn Minuten früher und es wäre vielleicht noch besser ausgegangen. Auch gegen Braunschweig verharrte Schmidt für meinen Geschmack ein wenig zu lange.

Kommen wir zu den positiven Dingen: Brandy gefiel mir – nicht nur, weil der Sky-Kommentator ihn lobte. Außer nur schnell laufen, kann er mittlerweile auch kämpfen. Ein Rückstand steht mittlerweile nicht mehr gleichbedeutend für eine Niederlage. Bin mir relativ sicher, dass wir dieses Spiel letzte Saison noch verloren hätten. Und obwohl Schmidt spät wechselte, hatte er den Mut, die Viererkette für eine offensivere Variante aufzulösen. Diese Risikobereitschaft, auf alles oder nichts zu setzen, strebte Schubert damals nicht oft an.

Ich bin gespannt auf die morgige Partie in Fürth, wie wir und die Kleeblätter selbst mit der Doppelbelastung fertig werden. Natürlich sind wir der Underdog und wenn wir so uninspiriert  wie gegen die Löwen auftreten, bedarf es großen Glücks, in die 3. Runde einzuziehen. Fürth ist der Ligaprimus. Ein ganz heißer Kandidat für den Aufstieg. Bisher auch noch nicht gestrauchelt.  Aber der Pokal schreibt ja bekanntlich seine eigenen Gesetze, also warum nicht auch am Dienstag?

1860 München: Kiraly, Rukavina, Bülow, Bierofka, Lauth (58. Rakic), Aigner (88. Wood), Benjamin, Schindler, Feick, Halfar (68. Schäffler), Volland

SC Paderborn 07: Kruse, Wemmer, Strohdiek, Mohr, Bertels (70. Kara), Krösche, Alushi, Meha, Brückner (78. Guié-Mien), Proschwitz, Brandy (70. Taylor)

Tore:
1:0 (37.) Volland
1:1 (83.) Mohr

Gelbe Karten:
1860: Volland, Lauth, Halfar
SCP: Bertels, Strohdiek, Alushi, Taylor

Schiedsrichter:
Thorsten Schriever (Dorum)

Zuschauer:
15.100.