SC Paderborn: Sensationell!

Posted on 23. September 2011 von

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Ich bekomme den Mund nicht zu. Sensationell! Dieses Wörtchen beschreibt den 4:1 Heimsieg über die Schanzer perfekt. Ein Hauch von 2009/10. Nein, nicht nur ein Hauch. Ein Level besser… Selten habe ich eine so homogene Heimmannschaft in Paderborn gesehen. Selten, arbeitete jedes Mannschaftsglied so stark und kompakt füreinander. Jeder reißt sich für den Anderen den Allerwertesten auf. Ich bin begeistert. Stecke voller Euphorie. Der offene Mund lässt sich dabei nur kurz durch ein kühles Blondes schließen! Prost!

Prost auf Roger Schmidt. Wie seine Mannen taktisch eingestellt sind, ist schlicht und ergreifend souverän. Hinten wird gewerkelt. Die Gegner kommen aufgrund der Kompaktheit kaum ins Spiel. Verzweifeln an der Defensive, während die Offensive ständig Nadelstiche setzt. Selbst wenn übliche Fehler passieren, der Nächste bügelt sie gekonnt aus. Kein Egoismus! Keine Starallüren! Das kriegt man sogar von den Rängen mit: Derartig sollte eine Mannschaft funktionieren.

Prost auf Thomas Bertels, der sich zu einer festen Größe gemausert hat. Niemand, wirklich niemand von uns Außenstehenden, traute ihm einen so großen Quantensprung zu. Der Junge hat’s verdient, für seine Leistungen in den letzten Wochen mit dem ersten Profi-Tor belohnt zu werden. Er wächst regelrecht über sich hinaus – wie beim 1:0 (Kopfball).

Prost auf Alban Meha, dessen Standards wirklich erstligareif sind. Ich behaupte mal, dass es auch im Oberhaus nur wenige gibt, die über so eine perfekte Schusstechnik verfügen. Diese These ist nicht gewagt! Vorbei sind Zeiten, als Ecken und Freistöße liebevoll dazu dienten, den Gegner zum Gegenzug einzuladen! Eine Vorlage, ein Tor. Heiterkeit pur!

Prost auf Markus Krösche, der auf Teufel komm raus, auf einmal die offensive Variante als Sechser mit genialen Zuspielen löst. Tauchen da jetzt ganz neue Qualitäten des Kapitäns im Spätherbst seiner Karriere auf? Auch hier die perfekte Belohnung für die Nummer 18 – das Tor!

Prost auf „Quick Nick“ Proschwitz. Auf mich wirkt die Pferdelunge wie ein herausragender Center aus dem Basketball. Vielleicht bin ich dabei ein wenig von der vergangenen Basketball-Europameisterschaft inspiriert, daher der untypische Vergleich. Aber wenn man’s unter die Lupe nimmt: Dieser Typ ackert. Ist sich nicht zu schade, das komplette Feld für Ecken herunterzulaufen, holt mit seiner physischen Präsenz Rebounds (die hohen Bälle) und leitet diese dann weiter. Ein Center eben, der auch noch Vollstreckerqualitäten mit sich bringt. Großes Kino!

Prost auf Lukas Kruse, der bei dem Gegentor zwar etwas unglücklich aussah, als der Ball durch seine Hosenträger rutschte, aber wen juckt das nach einem 4:1? Ich war vor der Saison sehr kritisch. Konnte über die Besetzung nur Kopfschütteln. Die Praxis hat ihm die nötige Routine eingebracht. Er wirkt lauter. Dirigiert seine Abwehr. Ist nicht unsicher. Ein Rückhalt.

Prost auf unsere Konter. Ich habe Tränen geweint, als diese letzte Saison gar nicht funktionierten. Keine Einleitungen. Das war doch unsere größte Stärke. Heute fielen gleich zwei Dinger nach Kontern, die zudem überaus herrlich herausgespielt wurden – gerade dann wenn Ingolstadt drückte. Im perfekten Zeitpunkt.

Lasst uns mal resümieren: Standards. Kampf. Siegeswille. Konter. Technisch ansehnlicher Fußball. Laufbereitschaft. Ein breiter Kader. Sichere Abwehr. Keine Totalausfälle. TORE. Etc., pp. [Aufzählung lässt sich bis zur Unendlichkeit weiterführen!] „Was wollt ihr mehr?“, fragte eine Werbung. Nichts, denn: „Sowas haben wir lange nicht mehr gesehen!“, *euphorisch-sing*.

SC Paderborn 07: L. Kruse, Wemmer, Mohr, Gonther, Bertels (79. Palionis), Krösche, Alushi, Meha (78. Guié-Mien), Brückner, Brandy (48. Kara), Proschwitz

FC Ingolstadt 04: Kirschstein, Bambara, Pisot, Biliskov, Fink, Matip, Ikeng (46. Buddle), Buchner, Quaner (75. Schäfer), Mo. Hartmann, Leitl

Tore:
1:0 (20.) Bertels
2:0 (34.) Meha
3:0 (61.) Krösche
3:1 (75.) Pisot
4:1 (89.) Proschwitz

Gelbe Karten:
SCP: –
FCI: Fink, Ikeng

Schiedsrichter:
Unger (Halle/Saale)

Zuschauer:
6951

Foto: SC Paderborn (Facebook)