Dreh- und Angelpunkt im Bochumer Vereinsmagazin „Mein VfL“

Posted on 19. September 2011 von

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Hätte mir einer gesagt, dass wir Bochum in deren Stadion 4:0 abschießen, hätte ich ihn gefragt, ob die eine oder andere Schraube bei ihm locker sei. Leider konnte ich nicht live vor Ort sein, war selbst sportlich an diesem Sonntag aktiv. Die Zusammenfassung allerdings lässt mir das Wasser im Mund zusammenlaufen. Fußballerischer Leckerbissen, der besten Güteklasse… Vor dem Match gegen den VfL wurde ich von Jens Fricke, der für das Stadionheftchen verantwortlich ist, zur Lage bei uns befragt. Deren Magazin ist überaus lesenswert – nicht nur, weil ich dort drin bin, sollte man mal einen Blick reinwerfen. Die jeweiligen Ausgaben gibt es kostenlos zum Herunterladen. Meine Antworten auf die Bochumer Fragen, will ich euch aber nicht vorenthalten, wer das kleine Interview in Pdf-Format lesen möchte,  sollte sich hierher begeben.

Ilja Regier ist Student der „Literature, Culture und Media Studies“ in Siegen. Der 23-Jährige pendelt am Wochenende vom Siegerland nach Ostwestfalen, um u.a. seinen Lieblingsclub zu sehen. Den SC-Schlachtruf „Paderborn unser ganzes Leben“ würde er zwar so nicht unterschreiben, aber als Fan des Clubs outet sich der Blogger (angelpunkt.wordpress.com) gerne.

Hallo, Herr Regier! Was macht man wohl hinterher beruflich, wenn man einen so exotisch klingenden Studiengang abgeschlossen hat? Man arbeitet zum Beispiel für Buchverlage oder widmet sich dem Journalismus. In meinem Fall wäre Sportjournalismus durchaus ein Ziel.

Wie fühlt sich der Paderborn-Fan, wenn er sieht, dass Ende August der Transfermarkt kocht und der eigene Club in keine Richtung aktiv wurde? Er fühlt sich gut, denn die mangelnde Hektik bedeutet zum einen, dass wir wohl in der Sommerpause vieles richtig gemacht haben – was sich auch am aktuellen Tabellenstand ablesen lässt –, zum anderen sind schlicht die finanziellen Mittel nicht da, um Shoppingtouren á la Wolfsburg zu tätigen.

Die Finanzlage war auch der Grund für die Trennung von Erfolgstrainer Andre Schubert, der weitere Einsparungen am Kader nicht mittragen wollte und zum FC St. Pauli wechselte… Das ist richtig, wobei es sich dabei wohl um eine Strategie handelte, um Schubert sanft zum Absprung zu bewegen. Der starke Mann im Verein heißt Wilfried Finke, besitzt einen Möbel-Großhandel und fungiert als Mäzen des Clubs. Er hat in einem oft selbstdarstellerischen Ton das Sagen. Jedenfalls wunderte sich Andre Schubert, als er schon in Diensten St. Paulis stand, dass der SCP auf einmal doch reichlich Mittel zur Verfügung hatte, um den Kader zu verstärken. Ursprünglich sollte Schuberts Vertrag bis 2012 laufen.

Wie war Schubert denn innerhalb der Fangemeinde angesehen? Durchaus kritisch – zumindest gegen Ende seiner Periode. Wir konnten nicht alle Entscheidungen nachvollziehen, weder personell noch taktisch. Angreifer Nejmeddin Daghfous zum Beispiel hatte bei den Fans einen schweren Stand, Schubert hielt trotzdem an ihm fest. Spielerisch war uns die Linie zu defensiv ausgerichtet, manche nannten es später „Angsthasenfußball“.

Aber zählt nicht das Resultat, nämlich der Klassenerhalt? Eigentlich schon, es gibt allerdings das große Aber: In der vorletzten Saison ist der SCP völlig überraschend Fünfter geworden, und zwar als Aufsteiger. Das hat wohl bei einigen die Sinne ein wenig vernebelt, sodass sie mal mehr, mal weniger heimlich vom Aufstieg in die 1. Bundesliga träumten. Mit den Möglichkeiten, die der SCP hat – finanziell, infrastrukturell und vom Umfeld her –, ein reichlich vermessener Wunsch. Dennoch bleibt unterm Strich die Sehnsucht nach attraktiverem Spiel.

Und der neue Coach Roger Schmidt erfüllt diesen Wunsch? Er macht es zumindest sehr ordentlich. Wir haben schon zweimal auswärts gewinnen können und haben dem Topfavoriten Eintracht Frankfurt beim 0:0 in Frankfurt einen Punkt geklaut.

Die Vorfreude aufs Spiel in Bochum ist groß? Ja, und zwar nicht nur aufgrund unserer neuen Auswärtsstärke. Ich freue mich besonders auf einen Imbiss am Bochumer Hauptbahnhof. Ich weiß den Namen von der Bude zwar nicht mehr, kann mich aber erinnern, dass alles dort sehr lecker war.

Und sportlich? Wird es zwar schwierig, aber ich hoffe, dass wir auch aus diesem sehr schönen Stadion einen Punkt mitnehmen können.

Thema Auf- und Abstieg: Wer geht rauf, wer muss runter? Ich habe vor der Saison auf Greuther Fürth als Aufsteiger getippt und die Mannschaft setzte alles daran, das zu bestätigen. Außerdem glaube ich, dass Eintracht Frankfurt direkt aufsteigt. Dahinter balgen sich ein paar Teams um den Relegationsplatz, auch der VfL wird mit dabei sein, obwohl es derzeit nicht gut aussieht. Die Liga ist insgesamt ausgeglichener geworden, sodass sich eine Zweiteilung ergibt: Das obere Tableau spielt um den Aufstieg, die zweite Hälfte gegen den Abstieg. Dazwischen liegen nur wenige Punkte. Der SC Paderborn wird sich aber retten, davon bin ich überzeugt.

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