SC Paderborn: Kogge geschrubbt

Posted on 18. Juli 2011 von

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Wow, die ersten Würfel sind gefallen und eine Negativserie beendet. Zum ersten Mal in der Historie, konnte der SCP in der 2. Liga ein Auftaktspiel gewinnen. In einer ausgeglichenen Partie ging die „Kogge“ in der 19. Minute durch Semmer in Führung. Zwei Minuten später glich Daniel Brückner wieder aus. Dann in der 81. Minute der K.O.-Stoß durch Neuzugang Proschwitz. Der prognostizierte Absteiger startet ohne die üblichen Anlaufschwierigkeiten in die Saison – hierzu exklusiv meine Gedanken.

Lukas Kruse: Erfreulich für ihn, dass er zumindest fehlerlos blieb. Beim Gegentor konnte Kruse nicht viel ausrichten, da es einfach zu schnell ging und aus dieser kurzen Distanz nicht wirklich reagiert werden kann. Wenn er vorgerückt wäre, hätte er versuchen können, gleich die Flanke abzufangen. Insgesamt geht das Ding aber nicht auf seine Kappe, müssen auch die Kruse-Gegner neidlos anerkennen. So wirklich auszeichnen konnte sich Kruse in dem Spiel aber auch nicht. Schmidt wird an Kruse festhalten. Gründe dagegen? Keine.

Jens Wissing: Eigentlich kam es mir irgendwie vor, dass Wissing oft überlaufen wurde. Eventuell kam es mir auch nur so rüber, weil Rostock regelmäßig über seine Seite angriff. Betrachtet man die Statistik, sagt diese etwas anderes aus: Von den zehn Zweikämpfen gewann Wissing acht. Einen wichtigen verlor er aber, weil er zu fahrlässig beim Gegentor agierte, den Rostocker einfach flanken ließ, anstatt einzuschreiten. Außerdem spielte er, als seine Nebenmänner in der Vorwärtsbewegung auf Angriff eingestellt waren, einen doch eklatanten Fehlpass, der gottlob nicht bestraft wurde.

Jens Wemmer: Wemmer patzte zwar gegen Semmer – welch‘ akrobatisches und innovatives Wortspiel (!), weil er ihn nicht störte beziehungsweise gewähren ließ und viel zu weit weg entfernt stand, spielte jedoch wie Gonther und Mohr eine solide Partie. Kennt man ja auch kaum anders.

Enis Alushi: Musste zum Glück nicht wirklich viele Offensivakzente setzen, da mit Kara, Meha und Brückner andere dafür auserkoren sind, das Spiel anzukurbeln. Wie ich finde, hat er sonst damit immer alles nur verschleppt und langsamer gestaltet. Der „Lira-Stecher“ kann sich aufgrund der Rollenverteilung auf seine Stärken als Sechser konzentrieren: Ballgewinne und anschließende Verteilung.

Markus Krösche: Auf Krösche trifft das Gleiche wie bei Alushi zu. Der Leitwolf klärte in der einen oder anderen Situation, kam ohne Fouls aus. So lieben wir ihn – solange er nicht die Mittelfeldlinie überkreuzt und in seinem Terrain bleibt.

Alban Meha: Paderborns Juninho? Kann so stehen gelassen werden. Es ist erstaunlich wie gefährlich seine Standards sind. Selbst wenn er die Freistöße aus der Tiefe tritt, bleiben diese bedrohlich. Trotzdem muss er weiterhin an seinem Zweikampfverhalten arbeiten!

Daniel Brückner: Sehr erfreulich, Brückner derartig spritzig zu sehen. War überall zu finden, auch auf der rechten Außenbahn. Man merkt ihm sofort die zurückgekehrte Spielfreude an. In dieser Form ein wichtiger Garant!

Mehmet Kara: Hat den Instinkt und versuchte stets aus der Position der Hängenden Spitze Proschwitz in Szene zu setzen. Eigenschaften eines Regisseurs. Zog sich manchmal doch ein wenig zurück, sodass Proschwitz auf verlorenem Posten war. Aber auch er eine Bereicherung, gleichgültig dass nicht alles auf Anhieb klappte.

Nick Proschwitz: Mit Nick Proschwitz wurde ein Stürmer gefunden, nach dem lange gesucht wurde. Quick Nick hielt viele Bälle vorne fest, behauptete sich gegen mehrere Abwehrspieler und schaffte Räume. Er weiß, wie er seine enorme Statur einzusetzen hat, sodass es überhaupt kein Problem darstellt, ihn einfach mit hohen Bällen, frei nach der trapattonischen Taktik – das Mittelfeld überbrücken und lang auf den Stürmer –, anzuspielen. Diese Strategie hat zwar an Aktualität eingebüßt und ist im modernen Fußball verpönt, dennoch könnte sie für uns das ein oder andere Mal von Vorteil sein, da Proschwitz die Bälle doch ausgezeichnet herunterpflückt. Ohne lange zu fackeln und etliche Kapllani-Chancen zu vergeben, verwandelte Proschwitz kompromisslos das 2:1. Das zeigt die Torgefahr und sagt über die Torabschlussqualitäten viel aus. Um den Lobeshymnen vorab ein Ende zu bereiten: Proschwitz ist die erhoffte Verstärkung – nicht nur aufgrund des Tores.

Trainer Roger Schmidt: Als in der zweiten Hälfte die Luft spürbar raus war, reagierte Schmidt und brachte mit Guié-Mien und Taylor zwei Neue, die sofort Impulse setzten. Vorbildlich, dass Schmidt auswärts auf die Mauertaktik, die man noch aus der Schubert-Ära kannte, verzichtet. Insbesondere dann, wenn der Gegner wie Rostock nicht wirklich besser dasteht. Schmidts Taktik ging auf und er wurde belohnt dafür. Wünschenswert wäre es, wenn noch ein bisschen mehr über die Außen passiert. In Anbetracht dessen, kann ein Proschwitz mit Flanken gefüttert werde, das sollte ausgenutzt werden.

Summa summarum, wie könnte es anders sein, bin ich vollstens zufrieden. Die Mannschaft wurde richtig eingestellt, die Chancenverwertung anders als sonst exzellent und mit dem ersten Dreier lässt sich die Saison viel angenehmer beginnen. Gerade wichtig, dass von Anfang an gepunktet wird, damit man später nicht in Bredouille gerät. Und noch einmal an dieser Stelle: Verstecken brauchen wir uns vor niemanden! [Kampfschrei]

Hansa Rostock: K. Müller, Schyrba, Wiemann, Kostal, Pelzer, R. Müller (84. Weilandt), Jänicke, Mintal, Perthel (64. Ziegenbein), Schied (64. Lartey), Semmer.

SC Paderborn 07: Kruse, Wemmer, Mohr, Gonther, Wissing (63. Bertels), Krösche, Alushi, Meha (69. Guié-Mien), Kara (69. Taylor), Brückner, Proschwitz.

Tore:
1:0 (19.) Semmer
1:1 (21.) Brückner
2:1 (81.) Proschwitz

Gelbe Karten:
-FCH: Perthel, Semmer, Wiemann
-SCP: Meha, Kruse

Schiedsrichter:
Deniz Aytekin

Zuschauer:
19.000.

Foto: SC Paderborn 07

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