Mesut der Kulturtourist

Posted on 6. Juli 2011 von

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Loret De Mar, Ballermann, Spring-Break in Rovinj (Kroatien). Namen von Orten, die für eins bekannt sind: Hörner abstoßen, Pegel halten, Frauen abschleppen, so asozial wie möglich sein – alles nur um den würdigen Stereotypen des deutschen Touristen für immer und ewig erhalten zu lassen. Sicher, jedem das Seine (Achtung, Phrase verwende ich trotzdem, obwohl sie historisch geprägt ist). Scheinbar gibt es auch junge Menschen, die auf dem Boden geblieben sind und denen das ganze Saufen, Abschleppen nicht ganz so interessant erscheinen mag. Handelt es sich um den einen Typen, der von der fünften bis zur 13. Klasse stets vor dem Pult saß und seine Hände im Minutentakt gen Decke streckte, klassisch auch einfach nur Streber genannt? Mit den Maximen: Sehr gutes Abi packen und danach getreu dem Motto „Karohemd und Samenstau – ich studier‘ Maschinenbau“ das wirkliche Leben zu genießen? Das Studentenleben! Um denjenigen, der nach dem Eins-Komma-Loch-Schnitt auf die exzessive Abschlussfahrt verzichtet und stattdessen lieber in ein südliches Land reist, sich zu bilden und kulturelle Güter anzuschauen?

Nein, es gibt auch Andere wie zum Beispiel Mesut Özil. Dieser ist mittlerweile kein Tourist mehr, sondern wohnt ja bekanntlich in Madrid, wenn er nicht seinen Bruder Mutlu besucht, mit dem er auch mal gerne im Ruhrpott einen Döner verschlingt. Dies und das eben! Weißt was ich mein‘! Mesut hat sich auch ordentlich eingelebt in der Hauptstadt Spaniens. Kennt sich schon ziemlich gut aus.

Das Land Spanien investierte eine ordentliche Stange Geld (3,3 Millionen Euro) für Werbung. Ziel hier: Das Urlaubsland Spanien, speziell rund um Madrid, anzupreisen („Visit Spain, Visit Madrid“). Wer wäre dafür nicht besser geeignet als die Profis von Real, die Madrid in Videos anpreisen sollen? In Spanien keimte Unmut darüber auf. Barcelona beschwerte sich, fühlte sich ungerecht behandelt, warum die spanische Regierung in einer Zeit, in der die Fahnen auf Konsolidierung stehen, einfach mal so eine Summe raushaue, ausgerechnet an den Erzrivalen. Hintergedanke natürlich: Warum die und nicht wir?

So schwärmt Cristiano Ronaldo über das Klima, die Mentalität. Sami Khedira gefällt das Leidenschaftliche und welches Standing der Fußball bei den Bürgern inne habe. Weiter beschreiben Marcelo, Ángel Di María, Sergio Ramos, Kaká ihre favorisierten Plätze. Und Mesut? Mesut mimt den intellektuellen-kulturellen Part in diesem Spot und antwortet auf die Frage „welchen Ort der Stadt würden Sie für einen Besuch empfehlen“ so:

Einen Besuch der Museen, der Theater und der Flohmärkte.

Aha! Was resümierte Mesuts Ex-Freundin Anna-Maria Lagerblom über das Liebesaus und die Gründe in den Gazetten:

Ihr 22 Jahre alter Freund spielte zu viel Playstation, brachte ständig Kumpel mit nach Hause und trank Fanta, hieß es.

Aber scheinbar hat sie Mesut doch unterschätzt. Er interessiert sich nicht nur für Fanta und Fifa! Und wenigstens einer ohne Hornbrille, dem kulturelles Wissen vor Party steht. Ein Gegenpol, der zeigt, dass deutsche 22jährige auch anders können! Ein Vorbild! Ob glaubhaft oder nicht, das steht auf einem anderen Blatt. Obwohl, doch irgendwie eher nicht glaubhaft…

(Foto: Stadt Gelsenkirchen)