David Hoilett vor Durchbruch bei den Blackburn Rovers

Posted on 7. Januar 2011 von

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Äußerst erstaunlich war es, als man in der Saison 2007/08 ein 17-jähriges Talent mit dem Namen David Hoilett aus der Jugendabteilung der Blackburn Rovers auslieh und gleichzeitig überraschend, wie die „kleinen“ Paderborner Ostwestfalen einen Spieler dieser Art scouten konnten. Ungewöhnlich war es allemal, doch nach nur wenigen Einsätzen, wussten die Fans woran man war: Man sah einem wuseligen Rohdiamanten zu. Zwar kam Hoilett meistens nur zu Kurzeinsätzen, doch gab er gleich zu spüren, was er mit 1,73m für eine enorme Schnelligkeit in den Beinen besaß, wenn er die rechte Außenbahn bearbeitete und diese pfeilschnell hoch und runter lief. Leider konnte der Perspektivspieler den Abstieg nicht verhindern, dafür war die Hinrunde unter der Leitung eines gewissen Holger Fachs zu verkorkst. Insgesamt agierte Hoilett beim SCP in 13 Spielen mit, schoss ein Tor und bereitete zwei vor.

Problematisch war es nach dem Abstieg. Zwar wollte man Hoilett unbedingt halten, doch gab es in der dritten Liga Probleme mit der Ausländerklausel, da Hoilett, der auch jamaikanische Wurzeln besitzt, auf dem Pass Kanadier ist und folglich nicht als EU-Bürger zählte. Zudem hatte weiterhin Blackburn die Rechte an ihm. Dann stand es fest, dass Hoilett für ein weiteres Jahr in die zweite Bundesliga zu St. Pauli verliehen werden würde. Dort blühte er so richtig auf und machte ordentlich Betrieb. Spätestens nachdem er in drei Spieltagen fünf Tore für die Hamburger erzielte, bekam auch die Presse von ihm Wind und berichtete über den außergewöhnlichen Fußballer, der mit 13 Jahren Kanada  Goodbye sagte und in das Fußballinternat der Blackburn Rovers einzog, um den Traum, einmal bei Arsenal London spielen zu können, näher zu kommen. Dabei wurde Hoilett schon mit 11 Jahren gescoutet. Während er mit einem kanadischen Team an einem internationalen Turnier in Wales teilnahm, beobachteten ihn schon damals viele Späher. Auch Manchester United zeigte sich an ihm interessiert, doch der Kanadier entschied sich für die Stadt im Nordwesten Englands, Blackburn.

Sein ehemaliger Trainer Holger Stanislawski bezeichnete den quirligen Dribbler schon damals als Jahrhunderttalent. Doch dem außergewöhnlichen Talent fehlte ein bürokratisches Papier, um sich wirklich mal überregional als Jahrhunderttalent in den Fokus zu spielen: eine Arbeitserlaubnis. Ohne diese Erlaubnis, die man als Nicht-EU-Bürger nur bekommt, wenn man in den zurückliegenden zwei Spielzeiten mindestens 75 Prozent der Länderspiele für sein Heimatland absolviert hat, darf man als Fußballer nicht in der Premier League spielen. Als Hoilett nach einer eindrucksvollen Saison für St. Pauli (6 Tore / 4 Torvorlagen) dann kurzfristig eine Sondergenehmigung bekam – er war zu der Zeit auch beim Mainz 05 im Gespräch – war klar, dass er Deutschland den Rücken kehren und sein Glück in Europas vermeintlich bester Liga probieren wird. Dennoch blickt Hoilett definitiv guten Gewissens auf die Zeit in Deutschland zurück:

They first wanted me to move to Belgium, I didn’t like it there, then France and I didn’t like it there, then Germany was the one for me. In the end it has helped me maybe. Maybe I wouldn’t have broken through at such an early age in England but I was able to learn so much in Germany. It gave me experience of playing in front of thousands and helped me develop me skills as well.

It was very good experience. I learned a lot in Germany. It is different than the EPL with a bit of a slower pace and it was more technical. It helped me a lot to develop my skills there. I got more experience there and there were great supporters.

Blackburns damaliger Trainer Sam Allardyce sah in Hoilett ein ähnliches Potential wie Paulis Trainer. Er begann das Projekt „Feinschliff des Supertalents“ nicht zu überhastet und langsam. Dabei beachtete Allardyce, dass sein Schützling ohne starken Druck peu à peu in die erste Mannschaft rückte und verhalf ihm zu 23 Einsätzen in seiner ersten Premier League-Saison. Im Carling Cup war er zudem daran stark beteiligt, dass die Rovers Chelsea herauskegelten – Hoilett holte in der Verlängerung einen Elfmeter heraus und verwandelte anschließend den entscheidenden im Elfmeterschießen sicher.

In der abgelaufenen Saison brachte es Hoilett, der von seinen Teamkollegen aufgrund der Größe mit Jermain Defoe verglichen wird, auf 12 Einsätze. Sein einstiger Förderer Sam Allardyce wurde zwar entlassen und in den englischen Medien war zu lesen, dass Hoilett unter der Obhut von Interimstrainer Steve Kean weitaus weniger spielen würde. Doch dieser stellte ihn im letzten Spiel gegen Liverpool, das Blackburn 3:1 gewinnen konnte, auf und wurde dafür von dem Kanadier belohnt, der gleich zwei Torvorlagen gab und die Liverpooler Defensive phasenweise mit seinen Tempodribblings auseinander nahm.

In Kanada stehen Spieler wie David Hoilett auch für den Aufschwung des Fußballs in dem zweitgrößten Land der Erde. Toronto FC mischt mittlerweile in der amerikanischen Major League Soccer mit und auch der kanadische Nationaltrainer Stephen Hart hat mit seinem Team viel vor: die Qualifikation für die WM 2014 zu packen. Hoilett, der auch für die jamaikanische Nationalmannschaft stürmen könnte, gilt neben Spielern wie David Edgar (FC Burnley), Philippe Davies, Marcus Haber (beide Vancouver Whitecaps FC) oder Nicholas Lindsay (Toronto FC)  als junger Hoffnungsträger.

Davids jüngerer Bruder Jaineil, der zusammen mit ihm in Hamburg lebte und parallel für Paulis B-Jugend spielte, kann man übrigens noch in Deutschland bewundern. Er wechselte zum FSV Mainz  05 und ist dort Teil der A-Jugend-Mannschaft. Zudem gehört er zur kanadischen Jugendnationalmannschaft mit an.