SC Paderborn: Das größere Fazit der Hinrunde 2010/11

Posted on 4. Januar 2011 von

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Es ist Halbzeitpause und unsere Jungs werden sich ab Montag für den Rest der Serie vorbereiten. Im Gegensatz zu Vereinen wie Alemannia Aachen, Fortuna Düsseldorf oder SpVgg Fürth, die alle im etwas wärmeren Süden Europas Kraft tanken, müssen die Paderborner ihre Form erneut zu Hause finden und gegen die Wetterbedingungen ankämpfen – genau wie letzte Saison dient dieser logische Verzicht, um Geld einzusparen. Und genau wie letzte Saison kann man nur hoffen, dass  Schuberts Mannschaft mit einer ähnlichen Form aus der Winterpause kommt. Insgesamt wurden, so denke ich, in den letzten Monaten die zahlreichen Probleme und Verbesserungsvorschläge nach den einzelnen Spieltagen größtenteils von mir abgearbeitet. Nun will ich noch einmal komplett resümieren, jeden einzelnen Spieler etwas genauer unter die Briefmarkenlupe nehmen und die individuellen Saisonverläufe beschreiben.

Daniel Masuch – Die etatmäßige Nummer eins absolvierte alle Partien. Er hat seinen Stammplatz sicher und kann infolgedessen in die Gruppe von Torhütern wie Alexander Bade, Tom Starke oder Stephan Loboué eingeordnet werden, die alle einen bleibenden Eindruck hinterließen und so etwas wie sichere Rückhälte in ihren Zeiten beim SCP waren. Bei Masuch vermisst man eventuell die ganz großen Paraden, die für mich sowieso mehr Show sind vgl. Tim Wiese. Doch fällt mir kein einziges Spiel ein, in dem ein entscheidendes Tor oder gar eine Niederlage auf Masuchs Kappe geht. So bleibt festzuhalten, dass Masuch den einen oder anderen Punkt gerettet hat (1860) – man kann sich unterm Strich auf ihn verlassen.

Sören Gonther – Durchlebte die Hinrunde mit allen erdenklichen Höhen und Tiefen, zwischen Kreis- und Weltklasse. Er schwankte zwischen den Positionen Rechtsverteidiger oder Innenverteidiger. Auf der einen Seite belebte er den Paderborner Angriff wie im Spiel gegen Hertha, auf der anderen Seite warfen desolate Rückpässe, die zu Toren führten, ein schlechtes Licht auf ihn. Zum Ende der Hinrunde fiel seine Form ab, das belegen auch die Kicker-Noten – seit dem Spiel gegen Fürth nie über eine 4,0 gekommen. In der Rückrunde sollte er deutlich mehr Konstanz zulegen, ansonsten kann es durchaus passieren, dass er sich auf der Bank wiederfindet.

Florian Mohr – Der Innenverteidiger spielte, wie man es von ihm gewohnt ist, eine solide Runde, ohne Verletzungen und stellt für mich einen unersetzbaren Abwehrmann dar. Auf sein Konto gehen zudem zwei erzielte Tore. In einigen Situationen agierte Mohr äußert unglücklich. Zum einen hätte man den Platzverweis gegen Augsburg nicht unbedingt geben brauchen und auch der von ihm „verschuldete“ Elfmeter gegen Osnabrück, war nicht eines Strafstoßes würdig. In den letzten beiden Begegnungen zeigte sich auch, dass Mohr mehr als eine Alternative für die Sechser-Position ist – er ersetzte den verletzten Krösche.

Christian Strohdiek – Das noch etwas unerfahrene Eigengewächs wird immer mehr an die Liga herangeführt. Teils wirkt er überfordert (Platzverweis gegen Fürth, der das Spiel zum Kippen brachte), teils abgeklärt. Immer noch sollte er an seiner Spieleröffnung arbeiten, anstatt die Bälle sicherheitshalber bei scheinbaren Drucksituationen ins Nirwana zu befördern. Immerhin hat Schubert erkannt, dass Strohdiek kein rechter Verteidiger ist, sondern wie Palionis in die Innenverteidigung gehört.

Toni Wachsmuth – Ob Wachsmuth den Sprung in die Startelf noch schaffen wird, ist fraglich. Der Pechvogel der letzten Saison – fiel monatelang wegen einer Verletzung aus – kämpft um den Anschluss. Nur gegen Osnabrück durfte Toni 90. Minuten durchspielen.

Jens Wemmer – Fehlte zwar zwischendurch wegen eines Muskelfaserriss, hat aber insgesamt ansehnlich gespielt. Gerade als Schubert den eigentlichen Rechtsverteidiger weiter auf die rechte Mittelfeldseite vorschob, konnte Wemmer mit seiner Schnelligkeit glänzen und erzielte zwei Tore. Wenn er sich nicht wieder verletzt – gilt schon ein wenig anfällig – kommt der Trainer nicht um ihn rum.

Enis Alushi – Insbesondere sticht seine Passquote heraus. Von 809 gespielten Pässen kamen ganze 74% erfolgreich an. Auf seiner Seite stehen demnach auch zwei Assists. Trotzdem hatte er nach der Hinrunde der letzten Saison bereits fünf Torvorlagen auf seinem Konto. Des Weiteren zeigt die Torschuss-Statistik (17 Schüsse / 8 am Tor vorbei), dass Alushi an seinen Offensivqualitäten im Abschluss arbeiten sollte (0 Tore). Nach wie vor ist er der Regisseur, der aus der Sechser-Position schnelle Angriffe einleiten kann und zudem ein Dauerbrenner, der fast keine Minute verpasste.

Daniel Brückner – Der Edeltechniker ist leider bisher eine kleine Enttäuschung. Letzte Saison war er das belebende Element. So fulminant wie er spielte, fehlt ihm bisher Fortune. Man weiß, dass er einfach mehr kann. Kein einziges Tor und nur ein Assist legen sogar den Verdacht nahe, dass er im Vorjahr eventuell über seinem Limit war. Trotzdem muss man von „Bohne“ mehr erwarten. Zum Ende hin kam noch ein Riss des rechten Syndesmosebandes hinzu. Die Rückrunde kann für ihn nur besser werden.

Rolf-Christel Guié-Mien – Als Hängende Spitze bzw. im Offensiven Mittelfeld erlebte der 33jährige zwischenzeitlich wie gegen Bielefeld seinen dritten Frühling und blühte auf. Zusammenfassend merkt man aber schon, dass er so langsam seinen Zenit überschreitet. Gerade wenn Schubert mit zwei Stürmern spielt und Guié-Mien rechts aufstellt, wirkt dieser zu uneffektiv. Sein dummer Platzverweis gegen Oberhausen schadete der Mannschaft immens!

Philipp Heithölter – Nur die wenigsten haben mit Heithölter noch wirklich gerechnet. Seine Krankenakte hätte vermutlich bei so einigen bereits die Sportinvalide ausgelöst. Heite kämpfte aber, verbesserte sich grundlegend im Vergleich zu den wenigen Einsätzen in der letzten Saison. Mit seiner Person wurde auch endlich eine Figur gefunden, die gefährliche Standards schießen kann. Ferner ist Heithölter ein optimaler Back-up, aber auch die letzten Spiele deuteten darauf hin, dass er, wenn er seine Form behält, sogar dem formschwachen Brückner den Platz auf der linken Seite im Mittelfeld streitig machen kann.

Markus Krösche – Beim Kapitän scheiden sich die Geister. Die Einen verdrehen die Auge, sobald er sich in Angriffsspiel einschaltet, die Anderen attestieren ihm, dass er seine Sache im DM gut macht. Ich würde zur zweiten Variante tendieren. Drei Torvorlagen und drei sicher verwandelte Elfer komplettieren seine bisherige Bilanz. Krösche gilt immer noch als Balleroberer, der die Bälle danach verteilt. Dass er spielerisch ersetzlich ist, hat seine verletzungsbedingte Auszeit gezeigt. Als Leader und erfahrener Recke bleibt er allerdings weiterhin wertvoll.

Nejmeddin Daghfous – Das nicht nur ein schneller Antritt für die zweite Bundesliga reicht, hat jetzt auch Nejs Förderer Schubert öffentlich kundgetan. Daghfous ist schuldig geblieben, dass er in diese Liga gehört. Chancen hat er bekommen, genutzt keine davon.

Sören Brandy – Bisher galt Brandy als der Konterstürmer für die letzten 30 Minuten und als die effektivste Waffe von der Bank. Doch in den letzten drei Partien bewies der Blondschopf, dass er an seiner Fitness gearbeitet hat,  über die volle Distanz einsatzfähig und mittlerweile genauso gefährlich ist. Er ist nicht mehr nur der Joker und wird seinen Torrekord aus der letzten Saison (6 Buden) einstellten können, wenn er weiterhin so auftritt.

Gaetano Manno – Gilt als Pechvogel der abgelaufenen Saison. Dem verletzungsanfälligen  Stürmer stellte sich nach einem gefeierten Einstand und langer Leidenszeit sein Meniskus mit einem Einriss in den Weg.

Neuzugänge:

Lukas Kruse – Hat sich sein erneutes Engagement in Paderborn wohl sichtlich komplett anders vorgestellt. Nach den Stationen Augsburg und Borussia Dortmund, wo er sich nirgends durchsetzen konnte, rief Schubert vor der Saison den Kampf um die begehrte Position zwischen den Pfosten aus. Masuch entschied diesen für sich und wieder durfte Kruse seinen Torwart-Kollegen nur einschießen, anstatt selbst zu spielen. Verletzt sich Masuch nicht, bekommt Kruse diese Saison wahrscheinlich nicht mehr die Chance sich in die Anfangself zu spielen. Interessanter für ihn dürfte sein, ob Masuch seinen auslaufenden Vertrag verlängert, dann könnte er in der nächsten Spielzeit hoffen…

Jukka Raitala – Der Finne wurde von Hoffenheim ausgeliehen und sollte das Loch auf der linken Abwehrseite nach Schachtens Abgang stopfen. Seit seiner Verpflichtung spielte er alle 15 Spiele durch. Seine Zweikampfwerte waren hervorragend: 68% gewonnene, mit Ausnahme von Palionis (73% gewonnene), der auch deutlich weniger Einsatzzeiten hatte, ist das der beste Wert in der Paderborner Mannschaft. Allerdings harmoniert Raitala nicht so gut mit den Mittelfeldspielern auf seiner Seite vor ihm. Er ist nicht der moderne Außenverteidiger wie Philipp Lahm, der jede Chance nutzt, um mit nach vorne zu marschieren und dort Akzente zu setzen. Raitala hingegen ist nie über der Mittelfeldlinie hinaus zu sehen. Das könnte ein Grund dafür sein, dass die starke linke Außenbahn aus dem Vorjahr an Gefährlichkeit eingebüßt hat.

Markus Palionis – Nach nur wenigen Minuten Spielpraxis rückte der litauische Nationalspieler zum Ende hin aufgrund von Umstrukturierungen in die Startelf. Gegen Bochum musste er vorzeitig mit Gelb-Rot vom Platz, Entscheidung war hier eventuell zu hart. Bei den anderen beiden Malen als er sich in der Anfangsformation wiederfand, wusste er zu überzeugen. Gerade in der Innenverteidigung räumte der Schlacks ordentlich ab. Diese Position steht ihm auch besser als die Sechser-Besetzung, da er nicht der technisch Versierteste ist.

Jorge Mosquera – In den ersten Partien galt der Kolumbianer, bis Kapllani verpflichtet wurde, als Notlösung. Später fiel er, laut Schubert, in ein Leistungsloch, aus dem er wohl so schnell nicht wieder rauskam. Mosquera scheint sich nicht assimilieren zu können. Zudem kritisierte sein Trainer, dass die Sprachbarrieren zu groß seien und er keine taktischen Anweisungen verstehe. Hat man das nicht vorher gewusst? Es war doch abzusehen, dass er nicht nach einem halben Jahr der Sprache mächtig sein würde. Wie wär es mit einem Dolmetscher? Die Uni ist in der Nähe, da gibt es sicherlich einige Spanisch-Studenten, die ihr Taschengeld aufbessern wollen. Scheinbar war Mosqui eine so günstige Verpflichtung, dass man wenig mit ihr falsch machen konnte. Wenn er zündet gut, wenn nicht dann nicht…

Edmond Kapllani – Der Albaner hat die Erwartungen nicht erfüllen können. Nach ersten guten Spielen avancierte er zum erhofften Saglik-Ersatz. Danach fiel seine Formkurve immer weiter ab und stagnierte. Das schneckenhafte Laufpensum erwies sich nicht gerade als mannschaftsdienlich. Zu Recht sortierte ihn Schubert zwischenzeitlich komplett aus. Kapllani hat nicht das Maximum aus sich herausgeholt, obwohl er auf dem Papier der torgefährlichste Paderborner Spieler ist (4 Tore). Er sollte sich ruhig mal öfter in den Allerwertesten treten und den bissigen Schweinehund, den alle von ihm sehen wollen, zeigen, statt lustlos vorne auf Bälle zu warten.

David Jansen – Es war abzusehen, dass für Jansen der Sprung von der Regionalliga ins zweite Oberhaus zu groß sein würde. Wenigstens stand er in den letzten Partien im Kader und durfte sich über Kurzeinsätze freuen.

Nico Klotz – Von Klotz hatte ich mir am meisten erhofft, als ich die Auer in Foren hinterhertrauern las. Umso überrascht es mich, dass Klotz kaum berücksichtig wurde und nur wenig zum Einsatz kam.