Mahir Saglik beim VfL Bochum: Eine Momentaufnahme

Posted on 13. Dezember 2010 von

0


Sonntag: Ich befand mich gerade in der Nähe des Ruhrgebiets. Deswegen lag ein Besuch im rewirpowerSTADION auf der Hand. Nachdem ich leider keine Zeit gefunden hatte, das Spiel gegen meinen SC Paderborn in Bochum anzuschauen, hoffte ich auf einen Sieg der Funkel-Mannschaft, damit die Osnabrücker nicht weiter auf uns aufschließen konnten. Und so konnte ich auch erstmals volle 90 Minuten live mitverfolgen, wie sich unser Ex-Toptorjäger, Mahir Saglik, im blau-weißen Trikot so tat.

Bisher können die Bochumer, die eigentlich favorisiert waren, am Ende der Spielzeit ganz oben zu stehen, natürlich (noch) nicht mit dem Saisonverlauf zufrieden sein. Ohne Konzept, ohne roten Faden und einfach nicht eines Absteigers aus dem Oberhaus würdig, präsentierten sich die Ruhrpöttler bisher. Seit den letzten drei Spieltagen ist jedoch ein Aufwärtstrend zu spüren – drei Siege –, obwohl man spielerisch immer noch nicht wirklich zu überzeugen weiß.

Demnach dürfte der Ostwestfale mit türkischen Wurzeln, Saglik, ebenfalls mit dem Schicksaal hadern, denn seinen Ansprüchen ist er noch nicht gerecht worden. Hoch angepriesen, mit einer Bewerbung von 15 Toren im peto und eigentlich gekommen, um Bochum wieder ins Oberhaus zu schießen, sieht die Bilanz von Mahir deutlich verbesserungswürdig und mager aus (14 Spiele / 2 Tore). So überraschte mich auch die Aufstellung von Funkel, der mit einem Dreiersturm begann (Dedic – Tese – Saglik). Saglik, der für mich in die Sturmspitze gehört oder als hängender Stürmer das Optimum rausholen kann, fand sich auf der rechten Außenbahn wieder.

Anders als in Paderborn war Saglik auch der Ansprechpartner für die ruhenden Bälle. Ecken und Freistöße aus gefährlicher Position wurden stets von ihm ausgeführt, wobei die Erfolgsquote bei den Ausführungen fast gen Null ging. Das Problem für Saglik und seine stürmenden Kollegen war das Igelverhalten der Osnabrücker, die sich die ganze Partie über zurückzogen – erst recht nach dem Platzverweis. Ferner bekamen die Offensiven überhaupt keine kreativen Pässe aus dem Mittelfeld. Wen wundert‘s, wenn mit Johansson, Dabrowski und Vogt eher drei „Zerstörer“, Männer fürs Grobe, als „Strategen“ im Zentrum des Spielfelds ihr Unheil trieben.

Dennoch war Saglik an diesem Spieltag einer der besten Spieler auf Bochumer Seite. Es klappte zwar nicht alles und hatte nicht immer Hand und Fuß, jedoch währte sich der nominelle Außenstürmer, versuchte, probierte und kämpfte, um den Rückstand und eine Niederlage abzuwenden. Insgesamt hat der einstige Regionalliga-Torschützenkönig dennoch keinen leichten Stand bei den Fans. Zu oft wird ihm vorgeworfen, er würde zu viel meckern, auch wenn er selbst keine Leistung bringt. Seinen Kredit hat er allerdings (vgl. Giovanni Federico) wohl noch nicht verspielt.

Nach einem genialen Pass von Chong Tese in die Schnittstelle der Onsabrücker Innenverteidigung markierte Saglik dann auch recht abgezockt den Ausgleichstreffer. In der 90. Minute bekam er dann auch noch die Chance den Lila-Weißen komplett das Rückgrat zu brechen. In der Situation lief er vom Mittelfeld, weil die Osnabrücker nochmal alles nach vorne warfen, auf Berbig zu, schloss dann aber nicht selbst ab, sondern spielte einen pomadigen Pass zu dem mitgelaufenen Mitspieler (Johansson), der diesen nicht verarbeiten konnte.

Alles in allem kann ich mir nicht vorstellen, dass es in der Rückrunde zu einer möglichen Rückholaktion kommen wird, wie es Paderborns Präsident Finke angedeutet hatte. Der Mäzen betonte, dass es den Paderbornern in die Karten spielt, wenn Saglik weiterhin in Bochum nicht zündet. Dafür ist der ehemalige türkische U21-Nationalspieler wohl dennoch zu wichtig für die Netto-Elf. Auch wenn er meiner Meinung nach, wie bereits erwähnt, auf einer anderen Position seine immense Torstärke demonstrieren kann. Traumhaft wäre es allerdings nach wie vor, wenn wieder regelmäßig David Guetta und Akons Track „Sexy Bitch“ in der Energieteam Arena erklingen würde.