SC Paderborn: Rabenschwarzer Samstag

Posted on 22. November 2010 von

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Etwas dieser Art gab es bisher vergleichsweise selten in Paderborn zu sehen. In einem Spiel, in dem für die Ostwestfalen alles schief lief, was schief laufen konnte, ließen die Gastgeber alle denkbaren Faktoren wie Kampf und Einsatz, die für einen Sieg wichtig sind, vermissen und gingen gegen Greuther Fürth mit 0:4 baden. Es war nichts zu sehen von der hochgepriesenen Heimstärke, stattdessen entwickelte sich ein Debakel, ein Fehlpassfestival und alles andere was negativ in diese Schublade einzuordnen ist. Zu konfus und unkonzentriert agierte Schuberts Mannschaft, die schon früh die Köpfe hängen ließ und mit einer Null-Bock-Einstellung auftrat.

Der punctus cnactus lässt sich eigentlich simpel herausstellen: die Rote Karte für Strohdiek in der 35. Minute. Bis dahin war das Spiel auf Augenhöhe. Der wiedergenesene Manno hatte die Möglichkeit auf dem Fuß, seine Elf nach nur wenigen Minuten in Führung zu bringen. Danach wurde Fürth stärker, erarbeitete sich Chancen und traf bei einem Freistoß sogar den Pfosten. Der angesprochene Platzverweis ließ dann jedoch alle Stricke reißen. Die Fürther leiteten in so etwas wie einem Befreiungsschlag einen Konter ein und hebten die Kugel über die komplette Paderborner Hintermannschaft hinweg. Lediglich Strohdiek, der sich entscheiden musste, ob er Müller ziehen lässt oder festhält, wählte die falsche Alternative – die „Notbremse“. Die Unerfahrenheit des Innenverteidigers (21 Spiele) merkte man ihm deutlich an. Wenn man den Spielverlauf betrachtet, hätte er seinen Gegenspieler lieber laufen lassen sollen, mit dem Hoffnungsschimmer das Torwart Masuch die Situation bereinigt – das wäre immerhin besser, als eine komplette Stunde mit zehn Mann überstehen zu müssen, dann eventuell lieber ein aufholbares 0:1.

Es kam wie es kommen musste. Die Kleeblätter konterten erneut über Müller, der nur noch Masuch überwinden musste. Geschickt verkürzte der Torhüter den Winkel. Müller, der sich nicht anders zu helfen wusste, hackte bei Masuch ein, der eigentlich bei dem Abwehrversuch zurückzog, und hob bundesligareif ab. Im denkbar ungünstigsten Augenblick – kurz vor der Pause – verwandelt Nehrig schließlich den fälligen Strafstoß.

Im zweiten Durchgang konnte Fürth dann schnell nach einem Eckball erhöhen. Die Dämme waren endgültig gebrochen, als dann auch noch Gonther total geistesabwesend einige Sekunden später einen katastrophalen Rückpass spielte, dessen Vollendung für Sararer nur noch Formsache war. Das Schicksal meinte es weiter nicht gut mit den Paderbornern – Schubert hatte bereits drei Mal gewechselt – musste sich auch noch Mittelfeldstratege Alushi verletzen, so dass in den restlichen 15 Minuten nur noch acht Feldspieler auf dem Platz standen. Daraus resultierend das völlig verdiente vierte Tor für die Mittelfranken.

Es bleibt nicht viel über die Paderborner Leistung zu sagen, sie war grotesk schlecht und nicht ligareif. Vielleicht waren einige auch einfach zu satt von den letzten zwei Siegen. Die immens schlechte Vorstellung dem denkbar unglücklichen Spielverlauf in die Schuhe zu schieben, wäre auch nicht richtig. Letzten Endes hatte man gegen Oberhausen gezeigt, dass man trotz zwei Platzverweisen kämpfen kann. Warum man jedoch so unterirdisch zuhause spielte, bleibt mir schleierhaft. Hoffentlich sind jetzt die letzten Alarmglocken geläutet, damit jeder versteht, dass man nur mit Kampf die Saison positiv gestalten kann.

Foto: SC Paderborn Pressemappe 2010/11