SC Paderborn 07 – Rot-Weiß Oberhausen 0:0

Posted on 21. September 2010 von

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[Update] Englische Woche in der zweiten Liga: Der SC Paderborn 07 empfing die rot-weißen Gäste aus Oberhausen. In der letzten Saison gab es für die Oberhausener wertvolle Punkte gegen die Ostwestfalen von der Pader (3:2; 2:1) – insbesondere das Rückrundenspiel, das Oberhausen durch ein Tor von Pappas in der 90. Minute gewinnen konnte, verschaffte ein wenig Luft im Abstiegskampf. Doch die Konstellation sah dieses Mal ein wenig anders aus. Oberhausen konnte bereits neun Punkte sicher stellen – gleichbedeutend für den besten Start seit 25 Jahren –  Paderborn nur einen Sieg gegen Union, und gerade der 3:1 Erfolg über den noch nach der Form suchenden Aufstiegsaspiranten Bochum war so etwas wie ein Ausrufezeichen an die Konkurrenz. Paderborn hingegen verlor letzten Spieltag unglücklich 1:2 nach einem unberechtigten Elfmeter (90. Minute) in Karlsruhe, haderte mit der Schiedsrichterleistung und sah sich, um einen Punkt betrogen.

Prädikat „fahrig“

Die erste Hälfte verdiente den Begriff „zerfahren“. Paderborn versuchte, Oberhausen stand sicher. Bruns hatte anscheinend seine Männer taktisch defensiv eingestellt und probierte das Paderborner-Spiel, das ja bekannt ist für seine gefährlichen Konter, zu unterbinden. Vorsicht war die oberste Devise, anders konnte man es sich nicht erklären, warum die Oberhausener Abwehrspieler sich so selten in den Angriff einschalteten und sogar bei eigenen Ecken hinten mit vier Mann, die fast an der Mittellinie standen, alles absicherten. Dennoch erarbeiteten sich die Paderborner in den ersten zehn Minuten Möglichkeiten durch Kapllani und einen Freistoß durch Alushi, an den Mohr kurz vor dem Kasten nicht mehr herankam. Irgendwie war es das typische Spiel „Heim- gegen Auswärtsmannschaft“, wobei die Oberhausener auf ihre Effizienz hofften, die sie in den letzten Spielen zeigten, wenige Chancen in Torerfolge umzuwandeln. Außer zwei Schüssen von Guié-Mien und Brückner gab es von Durchgang eins wenig zu berichten. Langeweile machte sich breit.

Erfahrung zügelt Temperament – nicht!

Die Paderborner Fans hofften… Schließlich hatte Schubert beim letzten Heimspiel gegen Union Berlin anscheinend die richtigen Takte in der Halbzeitpause und den Katakomben gefunden, die seine Spieler auch so umsetzten. Es kam jedoch alles anders! Zwar hatte Alushi mit zwei tollen Schüssen Torwart Pirson geprüft, der gleichermaßen exzellent parieren konnte, doch nach 65 Minuten stand man plötzlich nur noch mit neun Mann auf dem Platz. Brandy, er ersetzte Krause, musste nach seiner Einwechslung und einer gefühlten Minute auf dem Platz frühzeitig unter die Dusche. Schiedsrichter Frank Willenborg aus Osnabrück sah in einem Zweikampf, dass Brandy seinen Gegenspieler Gordon verletzte. Fernsehaufnahmen zeigen: Es war keine Absicht zu erkennen, obwohl Gordon eine Platzwunde abbekam und Brandy ihn mit dem Ellenbogen erwischte. Eine erneute Fehlentscheidung eines Offiziellen GEGEN Paderborn!

Paderborn zeigte sich unbeeindruckt vom Platzverweis. Es offenbarte sich mal wieder die These: Zehn Mann können besser sein als elf und so konnten weitere zwei Chancen durch Brückner und Guié-Mien erspielt werden. Was Letzteren aber ritt, trotz mit einer gelben Karte belastet zu sein, sich zu einem Schubser, nachdem Hergesell ihn gefoult hatte, hinreißen zu lassen, bleibt äußert fragwürdig und muss diskutiert werden. Denn: Es handelt sich nicht um einen unerfahrenen, temperamentvollen Jüngling! Nein, es handelt sich um einen Spieler, der im Paderborner Kader über die größte Erfahrung verfügt, zahlreiche Einsätze in Liga eins und zwei auf dem Buckel hat. Die Paderborner Energieteam-Arena ist beileibe kein Hexenkessel, schon gar nicht am Dienstag um 17.30 mit 5.000 Zuschauern, die alles andere als anstacheln. Und schon gar nicht, wenn ein Guié-Mien weiß, dass er bei der nächsten auffälligen Gelegenheit raus muss und seiner Mannschaft einen noch größeren Schaden hinzufügen würde.

Paderborn hatte Glück, dass der defensiv stehende RWO kein Kapital aus der Situation schlagen konnte, sondern irgendwie verunsichert wirkte, unbedingt gewinnen zu müssen. Vielleicht waren es auch die diktierten taktischen Vorgaben und eine nicht vorhandene Flexibilität, anstatt defensiver mal offensiver zu agieren. Folglich hatte Oberhausen damit zu kämpfen, dass Seitenwechsel immer wieder ins Aus wanderten und der eine oder andere Fehlpass sich häufte, was die Paderborner nur sehr gerne registrierten. Paderborn kämpfte mit allen sich auf dem Platz befindenden Mitteln. Es sprach nicht gerade für Oberhausen, dass man in Überzahl keine gescheit herausgespielten Möglichkeiten für sich verbuchen konnte. Nach 90 Minuten riss der Paderborner Keeper Masuch die Arme in den Himmel – dank furchtloser Leistung und enttäuschenden Oberhausener war dieser Punkt dementsprechend auch ein Erfolg.

Fairste Mannschaft der Vorsaison avanciert zum ungewollten Rüpel

Mit nur 47 Gelben sowie einer Gelb-Roten und einer Roten Karte waren die Paderborn letzte Saison die fairste Mannschaft der Liga. Nach nur fünf Spieltagen stehen bereits mehr rötliche Kartons in der Statistik. Insgesamt kommt man nun auf zwei Gelb-Rote und eine Rote Karte. Genauer betrachtet, zeigt es sich allerdings, dass zwei Schiedsrichterentscheidungen doch immens fraglich waren. Guié-Mien verdiente seinen Platzverweis, ohne Frage. Brandy jedoch nicht, ähnlich wie Mohr, der gegen Augsburg Gelb-Rot kassierte. Im Moment spricht alles von einer Pechsträhne, wenn man die letzten zwei Spieltage und die Schiedsrichterleistungen resümiert, die doch desolat waren. Man kann diese Momentaufnahme mit der Figur Pechmarie vergleichen, die ja bekanntlich mit einem lebenslangen „Pechregen“ zu kämpfen hatte. Hoffentlich wird sich dies schnellstmöglich ändern. In diese Serie passt es auch, dass es seit dieser Saison auch einen Fairplay-Wettbewerb für die 2. Bundesliga gibt. Wäre dieser schon letzte Saison eingeführt worden, hätten sich die Paderborner über ein Preisgeld respektive Geldregen – wenn auch nur einen kleinen, aber da wären wir wieder beim Regen – von 25.000€ freuen können.

„Köpfe nicht hängen lassen“ macht Mut

Generell macht der Mumm der Paderborner Jungs Mut für die weitere Saison. Gerade dieses Spiel hat gezeigt: Paderborn kann sich behaupten, wenn es unter Druck steht. Der Wille ist deutlich zu spüren. Reden wir im Konjunktiv und nehmen mal an: Es ist der 30. Spieltag und die 40 Punkte sind noch nicht erreicht. Mit so einer Leistung wäre man gewappnet dafür. Ergo: Die Mannschaft kann fighten und das ist auch gut so.

Einzelkritik (SC Paderborn) :

Masuch – Wieder ein ruhiger Tag für den Keeper im Kasten. Musste nie eingreifen. Bekam bei den beiden Platzverweisen sicherlich weiche Knie, die jedoch nicht geprüft worden sind.

Wemmer – Man of the match! Kratzte, biss und quälte sich von der ersten bis zur letzten Sekunde. Setzte zudem offensiv auch durch seine Schnelligkeit endlich mehr Akzente in der ersten Hälfte.

Gonther – Seine Routine fast schon eine Norm.

Mohr – Gilt das Gleiche. Zusammen mit Gonther sicherlich eines der besten IV-Duos der zweiten Liga. Auch wenn man manchmal denkt, dass sie wegen ihren Größen doch gar nicht kopfballstark wären und bei Flanken Probleme bekommen könnten.

Raitala – Zeigte sich stark verbessert im Vergleich zum Union-Spiel. Ohne grobe Fehler.

Alushi – Kann schießen und sollte das auch mal öfter wieder tun. Nach den Karten mehr in der Defensive erwünscht. Ihm ging zwar sichtbar die Puste aus, absolvierte jedoch insgesamt ein gutes Match.

Krösche – Selten hat man den Kapitän so jämmerlich wie in der ersten Hälfte gesehen. Ihm gelang eigentlich rein gar nichts. Gut, dass ihn Schubert nicht auswechselte. Denn er zeigte sich danach als führender Leitwolf, der seine Truppe dirigierte. Seine wertvolle Stärke zeichnete sich aus, die Eroberung von Bällen.

Guié-Mien – Zu dem „Schubser“ sei alles gesagt (siehe oben). Er darf sich nicht zu so etwas hinreißen lassen. Ansonsten befriedigend.

Brückner – Man wirft ihm ja Formschwäche vor. Man merkte dann aber doch, dass er es nach seinem unglücklichen Eigentor gegen KSC allen noch mal zeigen wollte. Das gelang ihm nicht immer, da er gegen eine physisch starke Oberhausener Abwehr das eine oder andere Mal Probleme bekam. Auf der anderen Seite setzte er sich hier und da prächtig durch, umspielte mal eben drei Gegenspieler.

Kapllani – Hielt die Bälle vorne. Leider zeichnet sich ab, dass er nicht unbedingt der Schnellste ist. Ansonsten kaum zu sehen.

Krause – Gegen KSC durfte Daghfous noch neben Kapllani stürmen. Dieser konnte sich allerdings nicht empfehlen. Für Krause gilt das gleiche. Rätselhaft warum er sich immer so schnell fallen lässt. Abzuwarten, wer das nächste Versuchskaninchen sein wird, das beim kommenden Spiel neben Kapllani von Anfang an spielen darf.

Brandy – Bewertung nicht möglich. Leider zu kurze Einsatzzeit.

Daghfous – Holte einige wertvolle Sekunden heraus.

Palionis – Bewertung nicht möglich. Einwechslung diente dazu, Zeit zu schinden.

SC Paderborn 07: Masuch – Wemmer , Gonther , Mohr , Raitala, Alushi , Krösche, Guié-Mien, Brückner (90. Palionis), Kapllani (73. Daghfous), Krause (54. Brandy).

Rot-Weiß Oberhausen: Pirson – D. Pappas, Klinger, Miletic, Hergesell, Gordon , Kaya, Petersch , Schmidtgal (89. Landers), Terranova , Schönfeld (64. König).

Tore:

Gelbe Karten:
-SCP: Krösche
-RWO: Hergesell

Gelb-Rote Karte:
-SCP: Guié-Mien

Rote Karte:
-SCP: Brandy

Schiedsrichter:
Frank Willenborg (Osnabrück)

Zuschauer:
5.234.

Kommenden Freitag geht es gegen Alemannia Aachen. Wer das Spiel nicht verfolgen kann, dem empfehle ich den Live-Ticker der Kollegen vom Sportclub 1907-Blog.

Foto: SC Paderborn Pressemappe 2010/11
 

Update:

Hier die Zusammenfassung von Sport 1: