SC Paderborn 07 – 1. FC Union Berlin 2:0

Posted on 10. September 2010 von

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[Update] Im zweiten Heimspiel und gleichzeitig am dritten Spieltag musste der SC Paderborn gegen die „Eisernen“ Unioner aus Berlin ran. Für beide Mannschaften verlief der Saisonstart nicht gerade nach Maß. Während Paderborn gar ohne einen Punkt blieb, konnten die Berliner wenigstens ein 2:2 Unentschieden gegen Alemannia Aachen markieren, mussten sich jedoch gegen SpVgg Greuther Fürth 2:1 geschlagen geben. Somit war ein wenig Brisanz drin, denn bereits der dritte Spieltag sollte die Tendenz angeben, in welche Richtung man sich in der Tabelle bewegen würde.

Trainer Schubert setzte gleich zwei Neuverpflichtungen in die Startelf. Der ausgeliehene Raitala begann als linker Verteidiger, wohingegen Kapllani sich im Sturm wiederfand. Für Mohr, der aufgrund einer gelb-roten Karte gesperrt war, rückte Strohdiek in die Innenverteidigung. Nach langer Leidenszeit konnte der wiedergenesene Angreifer Manno endlich erneut gegen den Ball treten – er hatte sich Anfang des Jahres schwer verletzt (Kreuzbandriss).

Erste Hälfte: Mehr Krampf als Dampf

So begannen die Paderborner in den ersten fünf Minuten druckvoll mit Zug zum Tor – der neue Sturm wirkte im Vergleich zu den Pflichtspielen davor schon von da an viel gefährlicher. Der von Augsburg kommende Kapplani sorgte nach wenigen Zeigerumdrehungen bereits für viel Schwung. Seinen Kopfball konnte Berlins Torwart Glinker so gerade noch entschärfen. Dann verflachte die Partie. Die Ostwestfalen wirkten plötzlich verunsichert und verkrampft. Doch Union konnte davon nicht profitieren. Lediglich zwei Standartsituationen entwickelten so etwas wie Gefahr für Paderborns Torwart Masuch: Brunnemann setzte nach einem Freistoß das Leder nebens Tor, genau wie sein Kollege Benyamina nach einer Ecke.

Die Berliner belagerten die Paderborner in ihrer Spielhälfte, konnten jedoch keinen Profit daraus schlagen, da entweder der tödliche Pass fehlte, die überraschende Idee oder die Paderborner Abwehr zu sicher stand. Bei Paderborn funktionierte so gut wie gar nichts, nur die stabile und fehlerfreie Hintermannschaft sorgte dafür, dass man ein 0:0 in die Pause retten konnte. So etwas wie ein Mittelfeld war bei den Paderbornern nicht vorhanden, die Stürmer bekamen keine Bälle und lechzten sich umsonst ab. Die Abwehrspieler versuchten sie mit hohen Bällen zu füttern, die zu ungenau waren und nicht verarbeitet werden konnten. Zahlreiche Fehlpässe, Unkonzentriertheiten und fehlende Abstimmung brachten schließlich die Zuschauer zu dem Entschluss, dass das was sich auf dem Platz abspielte, nicht unbedingt Zweiliganiveau hatte. Dann doch lieber ein 5:4 wie in der letzten Saison…

Gaetano Manno belohnt sich für engagierte und kämpferische Leistung

Kölns Trainer Zvonimir Soldo sagte zu dem Kicker und zur prinzipiellen Motivationsmethoden dies: „Wenn man einen Spieler ständig motivieren muss, hat er den falschen Beruf. Ich habe noch von niemandem gehört, der einen Mentaltrainer braucht, um sein Gehalt abzuholen. Das ständige Gerede von fehlender Motivation ist nur ein Alibi.“ Was Soldo scheinbar fehlt und was er nicht einsehen kann, ist wohl Schuberts positive Eigenschaft. Wie sonst konnte man erklären, dass die Paderborner Elf im zweiten Durchgang einen komplett anderen Fußball aufzeigte, mit System und taktischer Finesse. Schlagartig kombinierten die Paderborner und demonstrierten, warum sie letzte Saison auf Platz fünf landeten. Die neu gewonnene, alte Stärke dominierte; das Umschalten aus der Defensive mit schnellen Kontern klappte auf einmal. Ob Schubert seinen Jungs Zaubertrank mischte?

Schließlich brachte Gaetano Manno nach einem Tempogegenstoß die Führung ein. Der Schachzug wurde durch Alushi eingeleitet, der Krösche bediente. Der Kapitän zeigte Übersicht, legte auf Manno ab, der folglich unhaltbar einnetzte. Das hatte den Flair der letzten Saison… Paderborn versuchte seinen Stiefel herunterzuspielen. Die Berliner mobilisierten sich allerdings und gaben in einer Drangperiode alles, um noch einmal einen Einstand erzielen zu können. Nach einer erneuten Gefahr durch einen Freistoß konnte der eingewechselte Ede die Gelegenheit nicht nutzen und drosch den Ball über die Latte.

Die Paderborner drängten weiter und probierten mit aller Macht, das entscheidende zweite Tor zu setzen. Der Genickbruch für die Eisernen zeichnete sich ab, als Krösche zum Elfmeter gebeten wurde. Peitz hatte den ebenfalls eingewechselten Brandy im Strafraum gefoult und Krösche konnte in seinem 100. Zweitligaspiel den eigenen Namen in die Torschützenliste eintragen lassen.

Einzelkritik (SC Paderborn) :

Masuch – Hatte so gut wie nichts zu tun. Bei den Berlinern Chancen musste er nicht angreifen und konnte sich demnach auch nicht auszeichnen. Einige schlechte Abstöße könnten jedoch verbessert werden.

Wemmer – Machte auf der rechten Seite eine gute Partie und setzte sich teilweise auch im Angriff ein.

Strohdiek – Dass er nicht auf die Außen gehört, dürfte klar sein, obwohl Schubert es bereits ein paar Mal mit ihm dort probierte. Insgesamt ist bei ihm eine Entwicklung zu sehen. Er ist eine relativ sichere Alternative zum eigentlichen Duo Mohr und Gonther. Die Spieleröffnung bleibt weiterhin nicht unbedingt seine Stärke.

Gonther – Souveräne und kämpferische Leistung. In einigen Momenten grätschte er die anstürmenden Offensivmänner mit fairen Mitteln weg.

Raitala – Gerade in Hälfte eins merkte man ihm an, dass er noch keine Profierfahrung vorzuweisen hat. Agierte manchmal „zu grün hinter den Ohren“, harmonierte mit Brückner schlecht, der ihm hinten aushelfen musste und spielte zu oft dumme Fehlpässe. Der Finne steigerte sich aber im Laufe der Partie und wurde gerade gegen Ende abgeklärter.

Krösche – In der ersten Halbzeit so gut wie gar nicht zu sehen. Anders als sonst, kaum erkämpfte Bälle. Drehte dann aber wie die ganze Mannschaft auf, legte ein Tor vor und traf sicher vom Elfmeterpunkt.

Alushi – Spielte fast immer den Ball einige Sekunden zu spät ab – schlechtes Timing. Ecken sollte er weiterhin nicht mehr schießen… Zudem vertändelte er zu oft die Kugel. Später nahm er seine gewohnte Form an.

Guié-Mien – In seinem Alter immer noch ein Laufwunder und Heißsporn. Sorgte zwar nicht immer für brauchbare Aktionen auf der rechten Außenbahn, zog aber immer wieder mehrere Verteidiger auf sich.

Brückner – Der Flügelflitzer von der linken Seite jagt seiner Form leider noch ein bisschen hinterher. Erfolgreiche Eins-gegen-Eins-Situationen, wie man es vom ihm gewohnt ist, gab es kaum. Bei seiner Chance, als er einen Berliner Abwehrspieler austrickste, hätte er besser abspielen sollen, anstatt selbst abzuschließen. Alles in allem durch seine Kreativität sehr wichtig für die Mannschaft. Komisch, dass er nach 75. Minuten platt war und ausgewechselt werden musste.

Manno – Man of the match – nicht nur wegen seinem wichtigen Treffer. Eine couragierte Leistung und die, obwohl er lange verletzt war und ihm Spielpraxis fehlen dürfte. Ging dahin, wo es auch mal weh tut und nahm jeden Zweikampf, auch im Mittelfeld, an.

Kapllani – Der Neuzugang brachte genau wie Manno frischen Wind in die Offensive und macht das Paderborner Spiel unberechenbarer. Es fehlt noch die Abstimmung, an der wohl die nächsten Wochen gearbeitet werden wird. Für Torgefahr sorgte er doch… Erzielte einen irregulären Treffer – soll den Abwehrspieler, dem er den Ball vom Fuß abnahm, gefoult haben.

Brandy – Er bleibt der Edeljoker, der, wenn er mal über 90 Minuten ran darf, es nicht über die Bühne bringt, so gefährlich zu sein, wie nach seinen Einwechslungen. Wenn die gegnerischen Verteidiger ausgelaugt sind, geht er in die Lücken und kann sie aufgrund seiner Schnelligkeit auch optimal nutzen.

Krause & Palionis – Bewertungen nicht möglich. Spielten zu kurz.

SC Paderborn 07: Masuch, Wemmer, Strohdiek, Gonther, Raitala, Alushi,  Krösche, Guié-Mien, Brückner (87. Palionis), Kapllani (79. Krause),  Manno (66. Brandy).

1. FC Union Berlin: Glinker, Peitz, Madouni, Kohlmann, Kolk, Göhlert, Mattuschka (60. Ede), Polenz, Savran (60. Mosquera), Benyamina, Brunnemann (80. Sahin).

Tore:
1:0 (58.) Manno
2:0 (85.) Krösche (FE)

Gelbe Karten:
-SCP: Strohdiek, Guié-Mien
-Union: Kohlmann, Göhlert, Brunnemann, Savran

Schiedsrichter:
Christian Leicher (Landshut)

Zuschauer:
7.115.

Update

Hier die Zusammenfassung von Sky: