Manchester City: Die Unersättlichen

Posted on 26. August 2010 von

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Irgendwie ist es doch schier unglaublich, was da in Manchester passiert. Seit 2008 oder besser gesagt, seitdem Scheich Mansour bin Zayed durch seine Firma ADUG alle Anteile von Manchester City erwarb, gab der Verein Personalkosten in Höhe von 700 Millionen Euro (!) aus. Viele sehen hierzulande in Mäzen Dietmar Hopp eine „Feindfigur“, die aufgrund einiger vieler Finanzspritzchen eine Mannschaft aus der Kreisliga A bis in die 1. Bundesliga führen konnte. Doch anders als bei Hoffenheim wird bei den „Citizens“ einfach nur konzept- und kopflos eingekauft. Man könnte meinen, dass alles was einen Rang und Namen hat, mit dem City-Trikot ausgestattet werden soll, auch wenn diejenigen größtenteils auf der Bank Platz nehmen dürfen. Und doch werden in Manchester ziemlich kleine Brötchen gebacken, was die Perspektive und den Erfolg angeht: Trainer Roberto Mancini soll diese Saison lediglich einen Champions-League-Platz erreichen. Wie paradox…

Brisanz wird allerdings die von der UEFA verordnete Financial-Fair-Play-Regel versprechen.Ab der Saison 2012/2013 wird diese eingeführt und soll gegen Wettbewerbsverzerrung angehen. Es bleibt fraglich, ob der Scheich und seine Stars sich längerfristig in der internationalen Meisterklasse etablieren können. Denn:

Die Europäische Fußball-Union (UEFA) wird den Kampf gegen die Schuldenmacher unter den Klubs weiter forcieren und droht im Extremfall mit dem Ausschluss von den Europacup-Wettbewerben. Ab der Saison 2012/2013 soll das sogenannte Financial Fair Play nach einer Übergangsfrist greifen. Innerhalb von drei Jahren dürfen Klubs maximal 45 Millionen Euro Verluste schreiben. Zu einem Europacup-Ausschluss aufgrund einer Überschuldung kann es frühestens zur Saison 2014/2015 kommen, sollte die sogenannte ‚break even‘-Vorschrift nicht erreicht werden.

Aktuell dürfte Manchester City mit der Regelung Probleme bekommen, wenn weiter dermaßen gewirtschaftet wird:

Im vergangenen Geschäftsjahr machte Manchester City nach Angaben der Tageszeitung The Guardian einen Umsatz von rund 106 Millionen Euro, gab aber allein in diesem Sommer schon mehr als 150 Millionen Euro für neue Spieler aus − die horrenden Gehälter nicht inbegriffen.

Auf andere Investoren im Fußballgeschäft wie z.B. Roman Abramowitsch möchte ich nicht eingehen. Klar, man könnte sie alle kritisieren, denn das Sportliche tritt Jahr für Jahr immer mehr in den Hintergrund. Man darf das aber nicht verurteilen oder müsste Fußball demnach komplett aus seinem Kopf streichen… Inzwischen hat sich ein mehr oder weniger lukrativer Markt gebildet − ohne Moos nichts los.

Dennoch lernen viele Vereine dazu und begeben sich auf einen nötigen Sparkurs. Die Wirtschaftskrise, die Fehlkalkulationen etc. All diese Faktoren appellieren so langsam an den gesunden Menschenverstand der Verantwortlichen. Sogar die „Königlichen“ aus Madrid können vergleichsweise ihre Finger ruhiger halten. Bisher wurden in dieser Saison laut TM.de nur 81 Millionen Euro ausgegeben, die kleinste Summe für Neuverpflichtungen seit der Spielzeit 2004/05. Auch Manchester United sieht stark gebeutelt aus, kocht nur noch auf Sparflamme (Glazers lassen grüßen) und investierte nur 26,8 Millionen Euro in einige Talente.Und sogar der FC „Festgeldkonto“ Bayern München, der ja finanziell ziemlich gesund lebt, wartet lieber darauf, bis utopische Transfersummen nicht mehr die Norm sind und entschied, keine „Superstars“ einzukaufen, sprich: setzt auf Altbewährtes.

Um die Kurve zu kriegen: Lediglich Manchester City hat noch nicht ausgelernt. 125 Millionen Euro für Kaká; 126 Millionen Euro für Zlatan Ibrahimovic. Der Wahnwitz der Angebote scheint nicht zu bremsen zu sein. Dabei tingeln sich bereits im Sturm Spieler, die wohl so gut wie bei jedem Verein einen Stammplatz sicher hätten:

  • Robinho – Soll jetzt verkauft werden. Wohin weiß man noch nicht. Fenerbahce? Schalke? Robinho erwägt es, nach Italien oder Spanien zu wechseln und wartet erst einmal auf Angebote. Falls diese nicht kommen, wird er wohl sein staatliches Gehalt absitzen → Für knapp 40 Millionen Euro war er der teuerste Transfer in der englischen Fußball-Geschichte.
  • Jô – Konnte vor allen Dingen bei ZSKA Moskau überzeugen und wechselte daraufhin für 22,7 Millionen Euro zu City. Wie auch Robinho konnte er nicht die Erwartungen erfüllen, wurde zwischendurch ausgeliehen und suspendiert.
  • Emmanuel Adebayor – Afrikas Fußballer des Jahres 2008 spielte am Wochenende beim 3:0 Erfolg gegen FC Liverpool nicht. Es heißt, dass er nach Real Madrid abwandert.
  • Roque Santa Cruz – Der einstige Bayern Spieler ist Stürmer Nummer 14 – oder so – und wird wohl nach Lazio Rom transferieren. Die Italiener wollen 6 Millionen Euro investieren. Für 21, 2 Millionen Euro war der Paraguayer einst von den Rovers gekommen.
  • Carlos Tévez – „El Apache“ dürfte als einziger im Sturm gesetzt sein.
  • Mario Balotelli – Der Italiener konnte sich bei Inter Mailand keine Freunde machen, verscherzte es sich mit den Fans und wechselte deswegen für 28 Millionen Euro Ablöse zu City.

Mancini hat den Luxus eine Mannschaft aus 38 Spielern formen zu können – 25 sind eigentlich nur zugelassen, acht müssen ihre Wurzeln in Großbritannien haben. Der Rest wird wahrscheinlich irgendwohin verliehen, verkauft oder Gehalt absitzen. Wie sieht der Grund aus, dass Spieler dennoch immer wieder zu Manchester City wechseln? Ist es nur der Verdienst? Wenn ein Mesut Özil bekanntgibt: „Es ist mein Traum, für Real zu spielen“, kann man es ihm abkaufen. Es ist schon eine Herausforderung für einen jungen Kicker, sich in einer Mannschaft, die über einen derartigen Status verfügt, durchzusetzen. Da spielt nicht nur die große Kohle die Hauptrolle. Bisher noch nie gehört: „Es ist mein Traum, für City zu spielen.“ Wie auch, wenn die erfolgreichste Zeit (60-70er) des Clubs schon fünfzig Jahre zurückliegt?

„Wir müssen uns daran gewöhnen, dass niemand uns mag“, sagte Patrick Vieira. Recht hat er! Dass der Klubbesitzer und Scheich Mansour bin Zayed nach zwei Jahren und den Ausgaben, jetzt beim Spiel gegen Liverpool zum ersten Mal ein Heimspiel besuchte, zeigt, wie sehr er doch Fußball-Fan ist. Es wird Zeit, dass dieser Unsinn langsam unterbunden wird!

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