Jonathan Akpobories Geschichte kommt in die Kinos: „Das Schiff des Torjägers“

Posted on 20. August 2010 von

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Man muss es sich mal auf der Zunge zergehen lassen: 61 Tore in 144 Einsätzen – eine überdurchschnittliche Quote. Das ist die Bilanz von Jonathan Akpobories Ergebnissen in der Fußball-Bundesliga. Doch die Karriere vom Nigerianer nahm ein abruptes Ende. Akpoborie war wie eine Sternschnuppe, der man reichlich Bewunderung schenkt, bis sie sich zu einem bösartigen und gefährlichen Meteor entwickelt. Die Bewunderung schlägt in Hass und Vorsicht über, dieses Schicksal musste auch der einstige Wolfsburger Torjäger über sich ergehen lassen. Nun wurde seine Lebensgeschichte unter dem Titel „Das Schiff des Torjägers“ verfilmt.

Vielleicht mag sich ja noch einer erinnern… Wir schreiben das Jahr 2001. Der in Lagos geborene Jonathan Akpoborie kickt äußert erfolgreich für den VfL Wolfsburg. Aus heiterem Himmel berichten die Medien, dass Akpoborie „im Besitz eines Sklavenschiffs, das Kinder teils ohne Einwilligung der Eltern zur Arbeit in andere Länder verschleppt habe, sei.“ Organisation Terre des Homme vermeldete, wie die Welt angab:

Die Befragungen der Kinder legen den Verdacht nahe, dass es sich um Kinderhandel handelt. Es kann natürlich gut sein, dass der Besitzer des Schiffes Tausende Kilometer davon entfernt nicht weiß, was da passiert.

Es stellte sich heraus, dass Akpoborie Miteigner des Schiffs namens „Etireno“ war und unter keinen Umständen davon wusste, was dort mit seinem Boot praktiziert wurde und in welche dreckigen Geschäfte es verwickelt war. Die Sportjournalisten tippten sich jedoch die Finger wund. Für die Boulevardzeitungen war die Story ein gefundenes Fressen. Die Zahl der auf dem Schiff sich befindenden Kindern variierte von 250 bis 43. Akpoborie blieb vom Pech verfolgt. Da Wolfsburgs Hauptsponsor VW vier Millionen Mark für ein Terres-des-Hommes-Projekt spendete, blieb nicht viel Zeit für Recherchen. Voreilig galt es den Kopf nicht zu verlieren und seinen Ruf zu wahren. Deswegen sollte Jo so schnell wie möglich die Situation in Ordnung bringen und wurde erst einmal freigestellt, wie die Welt es am 06.05.2001 umschreibt:

Der Fall Akpoborie – ein hochbrisanter Vorgang. Ein Vorgang, der auch Jonathan Akpobories Arbeitgeber, den VfL Wolfsburg, zum Handeln zwang: Am Montag stellte der Verein den 32-Jährigen vom Trainings- und Spielbetrieb frei. Akpoborie buchte sofort einen Flug in die Heimat. Dienstagabend stieg er um 21.30 Uhr in Hannover in den Flieger, Mittwochmorgen wurde er von seinem Bruder Anthony am „Murtala-Muhammed-Airport“ in Lagos abgeholt. Von dort ging es weiter nach Cotonou, der Hauptstadt des Nachbarstaates Benin – um mit Recherchen die Vorwürfe zu entkräften, die seine Karriere gefährden.

Voller Optimismus war Akpoborie nach Afrika gereist, schließlich hatte er fußballerisch bewiesen, wie wertvoll er war und zählte auf Rückendeckung. Doch was dann geschah, hörte sich wie ein schlechter Scherz an: Er wurde suspendiert, ohne die Chance zu bekommen, etwas aufzuklären. Seine Frau gab ihm die Meldung per Telefon durch. Akpobories Schuld konnte nie nachgewiesen werden, doch er schloss nach nur vier Spielen für den Zweitligisten 1. FC Saarbrücken mit dem Kapitel „Fußballspielen“ ab und zog nach London. Der Fall „Akpoborie“ wurde geschickt unter den Tisch gekehrt. Nur das Brisante spielte eine Rolle, Entschuldigungen gab es kaum.

Jetzt wird diese Geschichte erneut aufgerollt und in dem Film „Das Schiff des Torjägers“ verarbeitet. Regie führte die aus der Schweiz kommende Heidi Specogna, die für das Projekt drei Jahre lang u.a. in Westafrika recherchierte und mit den Beteiligten darüber sprach. Jonathan Akpoborie spielt sich selbst. Die Film-Homepage fasst die Intention folgendermaßen zusammen:

Eine deutsch-afrikanische Geschichte über Fußball, Träume und die Ware Mensch.

Im April 2001 erschütterte eine Schiffsmeldung aus Westafrika die Welt: Die Nachrichten sprachen von einer alten Fähre, die angeblich hunderte von afrikanischen Kindern transportierte, die von ihren Eltern als Arbeitskräfte verschickt worden waren. Als bekannt wurde, dass der in der deutschen Bundesliga spielende Jonathan Akpoborie Besitzer des Schiffes war, trennte sich sein Verein über Nacht von dem nigerianischen Torjäger. Eine Schuld konnte dem Fußballer nie nachgewiesen werden.

Der Film rekonstruiert die Ereignisse und nimmt sie zum Anlass, sich heute auf die Suche nach den damaligen Protagonisten zu machen: Dem Fußballer und den Kindern, die damals auf dem Schiff waren. Wie ging das Leben des togolesischen Mädchens Adakou weiter? Welche Konsequenzen ergaben sich für den beninischen Jungen Nouman aus dieser verhängnisvollen Schiffsreise? Aus den Erzählungen und Begegnungen entsteht eine deutsch-afrikanische Geschichte über Träume, Fußball und die Handelsware Mensch.

Am 2. Dezember läuft „Das Schiff des Torjägers“ in den Kinos an. Die bisher zu lesenden Rezensionen klingen überaus positiv. Die Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW) zeichnete den Film mit dem Prädikat „besonders wertvoll aus“:

Ein ebenso brisantes wie beinahe auch poetisches Dokument über korrupte soziale Strukturen.

Ein Trailer liegt leider noch nicht vor.

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