Hat Raúl noch die zweite Luft?

Posted on 30. Juli 2010 von

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Schalke und Magath angeln sich den Madrilenen Raúl González Blanco. Passend dazu veröffentlichte Peter Ahrens auf Spiegel-Online einen Artikel zu dem Transfer und schrieb: „Vor zwei, drei Jahren wäre das ein Sensationstransfer gewesen, mehr noch: Es wäre undenkbar gewesen. Mittlerweile nimmt die Bundesliga einen solchen Wechsel ohne Überhitzung wohlwollend zur Kenntnis. Der Marktwert der Liga macht den nächsten Quantensprung.“ Also einen ungewöhnlichen Fortschritt. Doch wäre Schalke oder einem beliebigen deutschen Verein vor, sagen wir mal, vier Jahren gelungen, einen Raúl zu verpflichten? Wohl nicht, einen Raul mit 33 Jahren schon eher, einen Ruud van Nistelrooy in der gleichen Altersklasse ebenfalls.

Ahrens zählt die Pros und Contras auf. Zum einen erwähnt er natürlich das Alter und gleichzeitig, dass Raúl nur noch Bankdrücker in Real Madrid gewesen sein wäre/war. Auf der anderen Seite prognostiziert er, dass Raúl seine Karriere in Japan oder Arabien ausklingen lassen könnte und spricht davon, dass Raúl immer noch heiß wäre. Doch hat Raúl wirklich noch die Qualität und die zweite Luft? In der Wissenschaft spricht man von einem toten Punkt oder der zweiten Luft. Sie beschreibt es so: Wenn die Muskeln sich bei intensiver Betätigung beim Sport langsam ermüden und ein Sauerstoffdefizit entsteht, hören sie automatisch auf, erfahrungsgemäß zu arbeiten. Sollte dieser Punkt überwunden werden, wirken die Muskeln lockerer. Der Körper bekommt einen Schub und fühlt sich frischer an. Ohne Frage, Raúls Karriere ist vor wenigen Jahren noch ohne wirkliche Ermüdung vonstattengegangen. Die Jahre vergehen schneller, als einem lieb ist, dann fängt das Hecheln an, wenn man 20 Stufen gestiegen ist. Die Zeit holt einen ein, Raúl sicherlich auch, obwohl er Profisportler ist. Die zentrale Frage: Wird er Kuranyi ersetzen können?

Magath ist beileibe kein Dummkopf. Er hat sich sicherlich nicht vom Namen blenden lassen, sondern Raúls vergangene Jahre genau beobachtet. Der Coach wird festgestellt haben, dass die spanische Nationalmannschaft ohne Raúl die größten Erfolge aller Zeiten feiern konnte. Zusätzlich müsste er sich auch notiert haben, dass Raúls allerbesten Tage vielleicht schon gezählt sind. Doch Magath nimmt das Risiko auf sich. Wer wenn nicht er? Wer könnte aus einem alterndem Star das Maximum herausholen, wenn nicht er? Sein Ruf, der scheinbar schon bis ins Ausland nach Spanien durchgedrungen ist, ebnet ihm Wege, auch in diesem Fall. Raúl hat auf Vereinsebene schon alle Titel gesammelt, die man sich in seinen Schrank überhaupt stellen kann. Was will er mehr? Ist er noch hungrig? Cinderella01 hinterließ folgenden Beitrag im Spiegel-Forum:

Raul war noch nie „Meister der Herzen“ und dafür stehen bei Schalke die Chancen ja besonders gut!

In einem anderen Beitrag („Liga der alten Männer“) sieht Ahrens die Entwicklung der Bundesliga schon kritischer entgegen und vergleicht die Ideen, alternde (Ex-)Stars zu verpflichten, mit einem warnenden Finger.

Wer jetzt aber im Überschwang schon die Bundesliga mit der Premier League oder der spanischen Primera División vergleicht und gar auf Augenhöhe sieht, liegt falsch. Ein Spitzenclub der Premier League verpflichtet keinen 33-jährigen Spieler, er holt stattdessen den 20-jährigen kommenden Superstar. Der FC Barcelona, der FC Arsenal oder Manchester United – selbst das neureiche Schmuddelkind Manchester City – geben zwar Unsummen für Akteure aus – aber es sind entweder die Stars der Zukunft oder die Spieler, die voll im Saft stehen.

Doch warum geht Magath, der als Entdecker von einem Dzeko gilt, den man hierzulande vor seiner Verpflichtung überhaupt nicht wahrnahm, nicht einen ähnlichen Schritt? Warum gräbt Magath nicht einen jungen, unbekannten Spieler aus, den man wie Dzeko in ein paar Jahren für eine zweistellige Millionensumme verkaufen könnte, um den Schuldenberg abbauen zu können? Traut er seinem Glück nicht mehr? Oder was ist der Gedanke dahinter?

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