Bernhard „Bert the Kraut“ Trautmann

Posted on 17. Juli 2010 von

0


Bernhard Carl Trautmann wurde am 22. Oktober 1923 in der Hansestadt Bremen geboren. Er spielte in seiner Jugend bei Tura Bremen im linken Mittelfeld. Während des 2. Weltkriegs kämpfte er als Fallschirmjäger an der westlichen sowjetischen Front. Dort geriet er in Kriegsgefangenschaft, konnte jedoch fliehen. Auf seinem Weg zurück in den Westen wurde er von den Briten festgenommen und wurde in ein Gefangenenlager zwischen Wigan und St. Helens gebracht später in ein Lager bei Liverpool. Bei Fußballspielen gegen andere Lager spielte er, wie er es schon in seiner Jugend gewohnt war, im linken Mittelfeld. Aber als ein Torwart fehlte, versuchte er sich in dieser Position und so begann eine ausnahmslose, beeindruckende Karriere.

Jeder Anfang ist schwer

Nachdem er aus der Gefangenschaft entlassen worden ist, blieb Trautmann auf der Insel. Er spielte bei einem kleinen Club namens St. Helens Town bis zu einem Freundschaftspiel gegen des großen Vereins Manchester City. Die Vereinsführung war von dem jungen deutschen Torwart begeistert, also verpflichteten sie ihn. Daraufhin entstanden große Protestbewegungen der Fans. Es wurden Demonstrationen aufgrund der nahen Weltkriegsvergangenheit veranstaltet. Aufschriften wie „Off with the German“ (Raus mit dem Deutschen) oder „Traut the Kraut“ waren immer wieder auf Plakaten der Fans sichtbar. Nach einem offenen Brief des Rabbis von Manchester an die Anhänger des Vereins ließ sich die Gegenbewegung etwas abschwächen. Aber erst die grandiosen Leistungen des Keepers verstummten die letzten Kritiker. In dem ersten Auswärtsspiel von Bert Trautmann (er wurde Bert genannt, da die Engländer nicht Bernhard aussprechen konnten) in London gegen den FC Fulham gaben selbst die gegnerischen Fans und Spieler Applaus wegen der überragenden Leistungen des Deutschen.

Ein ewiger Held wird geboren

Nach nur einigen Jahren durfte sich Trautmann zur Weltspitze zählen. Es war das Finale des FA Cups 1956 gegen Birmingham, als in der 75. Minute sich Trautmann wagemutig in eine Flanke hereinwarf. Er wurde von Peter Murphy am Nacken getroffen. Der Halswirbel war gebrochen. Dennoch spielte er weiter und verteidigte sein Tor eine weitere Viertelstunde lang. Nach diesen 15 Minuten konnte sein Team auch den verdienten Pokal in die Luft strecken. Das Spiel gewann das Team um Trautmann mit 3:1. Es gilt immer noch als medizinisches Wunder, dass der Torwart diesen Unfall überhaupt überlebte. Auch durch dieses Spiel wurde er englischer Fußballer des Jahres.

Und nun ist Schluss

Nach 639 Spielen beendete Bert Trautmann mit 41 seine Karriere bei Manchester City. 60.000 Zuschauern wohnten dem Abschiedsspiel bei. Er führte als Kapitän einer Manchester-Auswahl das Team aufs Feld, Teil der Mannschaft war unter anderem Bobby Charlton, der nach dem Spiel meinte, dass Trautmann einer der größten Fußballer aller Zeiten sei. Die Manchester-Auswahl spielte gegen eine englische Auswahl, die mit Tomm Finney und Jimmy Arfield antrat.

Nach einem Ende folgt immer wieder ein Anfang

Der ehemalige Weltklasse-Torhüter begann eine Karriere als Trainer. Stockport war seine erste Station, danach folgte Preußen Münster und somit die Rückkehr nach Deutschland. 1972 wurde er Nationaltrainer Burmas und konnte beachtliche Erfolge erzielen. Darauf folgten die Stationen Liberia und Pakistan. Zahlreiche Auszeichnungen schmücken ihn heute.

Trautmann gründete die gemeinnützige „Trautmann Foundation“, die sich für soziale Projekte mit Kindern einsetzt. 2004 zeichnete ihn Queen Elizabeth II mit dem Titel des „Honorary Officer of the Most Excellent Order of the British Empire” aus. 2008 bekam er die DFB-Nadel mit Brillant für die herausragende Präsentation des deutschen Fußballs in England. Unter anderem hat man ihm das Bundesverdienstkreuz und den Walther-Bensemann-Preis verliehen. Heute lebt er mit seiner zweiten Frau in der Nähe von Valencia. Mit fast 87 Jahren erfreut er sich bester Gesundheit. Trautmann ist vielleicht das beste Beispiel wie der Sport Barrieren aufbrechen kann. Ein Mann, der im 2. Weltkrieg gegen die Engländer kämpfte und sich dann in die Herzen der Briten spielte.

Advertisements