Geht der HSV über die Planke?

Posted on 15. Juli 2010 von

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Um es metaphorisch darzustellen: Die Haie klappern mit ihren spitzen Beißern und warten darauf, dass sie ihr delikates Dinner zerstückeln können. Das Opfer in dem Fall der Hamburger SV, der von vermeintlichen Piraten (Investoren), in die Sphären des unendlichen Ozeans geschmissen werden könnte; die Haie, die darauf warten das Wesen für seine Dummheit zu bestrafen, einen Schritt dieser Art gegangen zu sein.

Was war geschehen? Der 73 Jahre alte Logistik-Unternehmer Klaus-Michael Kühne wird in den HSV investieren. Dafür „spendiert“ er 15 Millionen Euro. Der Haken an der Sache findet sich schnell, denn gleichzeitig fordert HSV-Fan Kühne, dass er bei möglichen Weiterverkäufen der Spieler Marcell Jansen, Paolo Guerrero, Dennis Aogo und einer weiteren noch in den Sternen stehenden Neuverpflichtung ein Stück vom Kuchen abbekommt. Der Mehrheitseigner von Spedition Kühne + Nagel mobilisierte dabei jeweils 7,5 Millionen Euro für das Trio und 7,5 Millionen Euro für „Star“ X. HSV-Vorstandsvorsitzender Bernd Hoffmann spricht insgesamt von „einem Sechser im Lotto mit Zusatzzahl“ und beruhigt die kritischen Gemüter: „Herr Kühne hat keinerlei Einfluss auf Entscheidungen und keinerlei Anspruch, einen Euro zurückzubekommen.“ Andere Vorstandsmitglieder und Fans zeigen sich allerdings gespaltener Meinung.

Dabei geht es beim HSV in den letzten Wochen heiß her. Mit Armin Veh ist zwar ein Meister-Trainer gefunden, der allerdings beim VFL Wolfsburg enttäuschte. Folglich hatte er bereits durch Magath eine aufgebaute Mannschaft und die nötigen finanziellen Mittel. Hinzu kommt, dass nach einem Jahr (!) endlich ein Sportchef präsentiert werden konnte: Bastian Reinhardt – nach zahlreichen Verhandlungen wählte man Praktikant, Wundertüte, Ex-Spieler und Billiglösung in Einem. Die optimale Besetzung sehe demnach wohl sicherlich anders aus, auch wenn man davon spricht, dass Urs Siegenthaler der eigentliche Sportdirektor sei.

Eine Finanzspritze, die sofort liquide Mittel freisetzt und einige Probleme lösen könnte. „Warum nicht?“, fragt man sich anfangs optimistisch. Doch die Skepsis überwiegt… Oder bleibt es dabei – wer nicht wagt, der nicht gewinnt?

 Pro:

  • Transfers wie der mit Ibrahim Afellay können realisiert werden, um endlich wieder den Sprung ins internationale Geschäft zu packen
  • Vertragsverlängerungen können angestrebt werden
  • Geld kann für teuren Stadionkredit zur Seite gelegt werden
  • die 15 Millionen müssen nicht steuerrechtlich abgesetzt werden, da es sich um einen „festverzinsten Kredit“ handelt
  • wenn Marcell Jansen, Paolo Guerrero oder Dennis Aogo den Verein ablösefrei verlassen, dann muss dieser nichts an Kühne zahlen → Versuch die Spieler längerfristig zu binden

 Contra:

  • Marcell Jansen (24), Paolo Guerrero (26) und Dennis Aogo (23) sind in einem guten Fußballer-Alter und werden vielleicht irgendwann eventuell wechseln wollen, falls der HSV über Jahre hinweg nicht international präsent ist → daraus folgt, dass diese Spieler am Höhepunkt ihrer Karrieren verkauft werden könnten; falls hohe Summen gezahlt würden, müsste der HSV sogar mehr als nur 7,5 Millionen zurückzahlen (33,3 Prozent an den Transferrechten) →  Verluste
  • keine Unabhängigkeit; Kühne könnte weiterhin Einfluss auf Transfers nehmen, hat bereits geeignete Transfer-Kandidaten vorgesellt; Veto-Klausel für Kühne, wenn kein zentraler Mittelfeldspieler von internationaler Klasse gekauft wird → bei der Neuverpflichtung erhält Kühne ebenfalls die Transferrechte von 33,3 Prozent und kann auch da profitieren
  • Kühne ist abgesichert; selbst bei plötzlicher Erkrankung oder sogar Todesfall, muss der HSV die vereinbarten Prozente springen lassen
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