der Schreiberling

Ein Kind der 80er. Geboren im beschaulichen Moskau. Vier Jahre später in ein 25.000 Seelen Dorf nach Ostwestfalen gezogen, wo – die Uhr lässt sich immer danach stellen – um 20 Uhr die Bordsteine hochgeklappt werden. Wir nannten es früher Horror-Szenario. Die Apokalypse stand kurz bevor. Oder auch vergleichbar mit einem Western-Film, einem Ort mitten in der Wüste.

Fußball fasste mich schon früh. Jeden Samstag lief „Ran“ bei uns. Selbst wenn ich auf Nachbars Dach geklettert bin, in die Rinne gepinkelt habe und Fernsehverbot bekam, konnte ich diesen für „Ran“ umgehen: Neben der Flimmerkiste stellte ich einen Spiegel auf, so dass „Ran“ darin zu sehen war. Fernsehverbot ist ja nicht Spiegel-guck-Verbot. Raffiniert, ne?

Meine erste Liebe schlug für Bayern München. Scholl, Klinsmann. Das waren die Helden oder die deutsche Auswahlmannschaft, die die EM 1996 gewinnen konnte. Natürlich war ich auch selbst am Ball, bis zur D-Jugend. Danach gab es die Qual der Wahl. „Entweder du entscheidest dich für Tischtennis oder Fußball! Beides kriegst du wegen Schule nicht unter einen Hut!“

Da die Erfolge beim Fußball stagnierten und die Pokale beim Tischtennis sich immer mehr vermehrten, war es das mit der Fußballerkarriere. Doch Fußball blieb gegenwärtig, wurde nicht vernachlässigt. Alles musste aufgesaugt werden. Resultate. Transfers. Trainerentlassungen. Skandale. Tore der Woche. Aufstieg. Abstiege. Triumphe. Niederlagen. Überraschungen. Enttäuschungen – Faszination pur.

Schon seit geraumer Zeit bin ich dem Web 2.0 (manchmal muss man sagen „leider Gottes“) verfallen. Mein bisheriger „Werdegang“ im Netz hatte jedoch weniger mit Sport zu tun. Ich widmete mich mehr dem Musikgeschäft, speziell die Richtung ‚Black Music‘, und arbeitete in der Vergangenheit für einige Portale. Vor ca. fünf Jahren gründete ich gemeinsam mit einigen anderen die Community „Pass-tha-Mic“, die es sich zum Ziel gesetzt hatte, echte Musik zu unterstützen und ihr auch eine Plattform zu geben. Meine Aufgaben waren neben der Projektleitung, im Editorbereich und Redaktionswesen (Interviews, Rezensionen, Eventberichte etc.). Allerdings stellten wir nach einem gemeinsamen Beschluss und diversen Gründen das Projekt ein. Danach schrieb ich als Redakteur für „Rap4Fame“ zahlreiche Meldungen, Reviews, organisierte und führte Interviews durch. Mit der Zeit entwickelte sich jedoch eine Abneigung gegen das aktuelle Gehabe in dieser Szene. Ich entschloss auszusteigen, um meine Kreativität, falls so etwas bei mir überhaupt vorhanden ist, einem anderen Hobby zu widmen: dem erwähnten Fußball. Da ich eventuell nach meinem Studium im Sportjournalismus einen Fuß fassen möchte, vielleicht nicht der verkehrteste Schritt einen Blog dieser Art zu starten.

Manch einer wird sich wundern, warum SC Paderborn 07-Beiträge zu finden sind, da ich ja, wie anfangs beschrieben, für Bayern war. Allerdings hat sich das „für Bayern sein“ irgendwann eingestellt. Vielleicht auch irgendwo als Protest. Ich war schon immer einer, der eher gegen den Strom schwimmt. In meiner Gegend gab es nur Bayern-, BVB-, HSV-, Gladbach- oder Schalke-Fans. Langweilig.

Ausgerechnet als meine damaligen Bayern in einem Freundschaftsspiel in Paderborn antraten – Antonio Di Salvo wechselte von PB nach München und es war irgendwo in den Modalitäten vermerkt worden, dass die noch einen Kick austrugen – entwickelte sich so langsam die Liebe zu etwas Kleinerem und Anderem, dem SC Paderborn 07. Wenn es die Zeit zulässt, bin ich seitdem regelmäßiger Stadionbesucher. Zwar keiner, der kurz nach einem Aufstieg singt „Paderborn, unser ganzes Leben“ und gerade dann den Weg ins Stadion gefunden hat, obwohl er kurz vor dem Abstieg andere Stadien besuchte. Sollte das ein Argument sein, für einen Fan-Status, weil ich nicht „unser ganzes Leben“ kreische, dann habe ich ihn nicht. Persönlich weiß ich aber, welchem Verein ich angehöre: SC PADERBORN 07.

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