10 Tops & Flops der WM 2010

Posted on 13. Juli 2010 von

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Die Weltmeisterschaft in Südafrika ist vorbei, der WM-Titel vergeben und die besten Spieler gekürt. Bald werden die ersten Autos von schwarz, rot, goldenen Utensilien befreit sein und es beginnt der raue Bundesliga-Alltag. Grund genug die WM Revue passieren zu lassen. Inspiriert vom Medien-Sport-Politik-Blog sind meine jeweiligen Tops und Flops in einer zufälligen Reihenfolge gelistet:

Top

01. Thomas Müller, stellvertretend für die deutsche Nationalmannschaft. Noch vor zwei Jahren hatte ich ihn während eines Drittligaspiels gemeinsam mit Holger Badstuber überhaupt nicht wahrgenommen. Jetzt wird er seinen Omas einen Goldenen Schuh präsentieren können… Aber überhaupt, wie groß war die Kritik vor der WM? Kuranyi nicht begnadigt. Hummels kaum in Erwägung gezogen. Dafür Podolski und Klose, die eine grauenhafte Saison spielten!? Hut ab vor Jogi Löw, trotz allem stellte er eine modern spielende Mannschaft perfekt ein, begeisterte nicht nur die Fans im eigenen Land und holte das Optimum heraus.

02. Nordkorea. Mit einem 0:7 gingen die Mannen aus dem Reich von Diktator Kim Jong Il gegen Portugal baden. Am Ende hatte man ein Torverhältnis von 1:12 auf dem Zettel. Irgendwie taten die Spieler einem dennoch Leid, wenn man bedachte, was ihnen für Strafen in ihrer Heimat drohen würden. Das Positive daran: Zwei (Tae-se Jong → VfL Bochum; Cha Jong Hyok → FC Will) haben bereits die WM als Sprungbrett genutzt, wechseln nach Europa und können dem totalitären kommunistischen System den Rücken kehren. Applaus!

03. Kevin Prince Boateng. Was wurde in den deutschen Medien nicht auf Boateng eingedroschen nach seinem Foul an „Capitano“ Ballack? „82 Millionen gegen Boateng“ oder „K.P.-Boateng – Staatsfeind Nr. 1“; das Internet war die geborene Plattform, den Frust mit Gleichgesinnten zu teilen. Bis hin zu rassistischen Beleidigungen war alles dabei. Doch der „Prince“ zeigte sich unbeeindruckt, spielte mit seiner Kämpfernatur eine gute WM und konnte somit den verletzten Superstar Michael Essien ersetzen.

04. Winston Reid. Die 93. Minute im Spiel Neuseeland gegen Slowakei, ein grottenschlechtes Spiel, Not gegen Elend. Die Slowakei bemüht sich kaum und versucht das 1:0 irgendwie über die Runden zu bringen. Die Arroganz wird bestraft. In der 93 Minute köpft der 1,90-Verteidiger Winston Reid ein und schreibt WM-Geschichte. Sein Tor ermöglicht den ersten WM-Punkt für das „Rugby-Land“ Neuseeland. So werden Helden geboren!

05. Diego Forlán. Südamerika hat nach Luis Hernández wieder einen blonden Engel. Während die Verteidigung Uruguays mit aller Macht kämpfte, sorgte Diego Martín Forlán Corazo vorne mit jedem Ballkontakt für Angst und Schrecken. Im Spiel um Platz drei gelang ihm außerdem ein geniales Tor, der Atletico-Stürmer konnte seinen fünften Treffer markieren und wurde gerecht zum besten Spieler der WM gewählt.

06. Siphiwe Tshabalala. Alleine der Name verdient es gelistet zu werden. Mit seinem lässigen Traumtor in den Winkel gegen Mexiko, sorgte er für unbegrenzte Euphorie bei den Anhängern der „Bafana Bafana“.  Unvergessen wird er auch der anschließende Torjubel bleiben: der Diski-Dance ging um die Welt.

07. Fahnen Fleck. Das Unternehmen aus dem norddeutschen Pinneberg bedient eine erfolgversprechende Nische, zumindest wenn eine WM/EM vor der Tür steht. Schließlich war es Fahnen Fleck, das Südafrika mit Merchandise in Form von Fahnen und Flaggen versorgte. Dazu hatten die Nordeutschen laut Spiegel „eine Tochterfirma in Südafrika gegründet, die zu 51 Prozent einem schwarzen Partner gehört.“

08. Andrés Iniesta, Siegtorschütze im Finale und gefeierter Held. Nach seinem Tor zog Iniesta das Trikot über den Kopf, auf seinem Unterhemd standen folgende Worte: „Dani Jarque Siempre con nosotros“ (Dani Jarque, Du bist immer bei uns): Dani Jarque war ein Freund Iniestas, spielte bei Espanyol Barcelona und starb 2009 im Alter von 26 Jahren an einer Herzattacke. Er durchlief mit Iniesta sämtliche spanische Juniorenmannschaften. „Der bleiche Junge“ widmete den Torerfolg seinem Freund. Eine großartige Geste von einem großartigen Strategen und Menschen!

09. Gastgeber Südafrika. Der Stereotyp des kriminellen und gefährlichen Landes wurde nicht bestätigt. Zumindest in den Medien konnte man nichts von Krawalle oder Ähnlichem lesen. Respekt dafür! Die Skepsis war nicht nötig! Auch die von Uli Hoeneß, der behauptete, dass die Vergabe der größte Fehler der FIFA sei.

10. Mediendirektor der deutschen Nationalmannschaft Harald Stenger. Die Juni-Ausgabe der 11 Freunde hatte schon über den „Problemlöser“ in einem dreiseitigen Artikel berichtet. Irgendwie hat man den Mann, der bei Pressekonferenzen den Moderator mimt, ins Herz geschlossen. Umso trauriger ist es, dass sein Vertrag bei dem DFB nicht verlängert wird und dagegen schön den leicht rundlichen Vertreter ein letztes Mal bei einer WM erlebt zu haben.

Flop

01. Lachnummer Italien. Als Weltmeister angereist, als Tölpel abgereist und das in einer vermeintlich leichten Gruppe mit Slowakei, Neuseeland und Paraguay. Das Unentschieden gegen Neuseeland war dabei die Krönung. Italien zog insgesamt ein ideenloses Spiel auf und verließ sich zu oft aufs Glück, das es vier Jahre vorher noch hatte. Inter Mailand hat zwar das Triple geholt, aber wie viele italienische Spieler waren genau nochmal Stammkräfte?

02. Public Viewing. Vorrundenspiel Ghana gegen Deutschland: „Husch, husch, ab in den Busch.“ Solche Kommentare waren an der Tagesordnung – manche werden es scheinbar nie verstehen! Überhaupt hatte ich das Gefühl, dass sich der Mob bei dem Event WM mobilisierte und freute, dass man legal ein wenig mehr Randale machen durfte. Zudem kommt einfach der Profitgedanke hinzu. Viele Veranstalter holten sich grottenschlechte Leinwände, die teils erst ab der zweiten Halbzeit funktionierten. Getränke durften nicht mitgenommen werden und die Preise für die angebotenen waren überdimensional. Legendär ist auch das Beispiel der Stadt Siegen. Dort musste man, um Getränke zu bekommen, einen Becher für 2€ kaufen. Der dezente Hinweis auf einem kleinen Plakat am Bierstand sah wie folgt aus: „Der Erlös der Plastikbecher geht vollständig an den  Veranstalter.“ Nicht irgendwo als Spende hin, sondern an den abzockenden Veranstalter! Die kollektive Rudelbildung war dies Mal nicht meins.

03. Brasilien. „Der Deutsche“ Carlos Dunga pflegte ein nüchternes Spiel zu bestimmen, das sich so gar nicht auf die Stärken der Mannschaft mit den individuellen Ballkünstlern bezog. Der Erfolg hätte ihm Recht gegeben, dem war aber nicht so. Man will Brasilien kombinieren und zaubern sehen. Klar gehört taktische Finesse dazu, aber so drastisch? Dann lieber Hacke, Spitze, eins, zwei, drei – ergebnisreich, versteht sich!

04. Raymond Domenech. Mit Nicolas Anelka war der Sündenbock gefunden. Er hatte Frankreichs Trainer in der Halbzeitpause beleidigt und für einen Eklat gesorgt. Selbst der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy verlor einige harte Worte und verurteilte das Auftreten Frankreichs. Man sagt zwar immer, dass eine Mannschaft nicht gegen den Trainer spielen kann, aber hier ging es doch kaum offensichtlicher. Obwohl Frankreich sich 2006 unter der Leitung von Domenech bis ins Finale mausern konnte, waren die Leistungen nicht überragend. In der Vorrunde gab es lediglich einen Sieg und zwei Unentschieden. Die EM 2008 war noch katastrophaler, Frankreich verabschiedete sich mit nur einem Punkt bereits in der Gruppenphase. Da reihte sich auch die Qualifikation für die WM 2010 ein, die man nur durch das „Handball-Tor“ von Henry gegen Irland noch retten konnte. Nicht immer ist die Mannschaft der Schuldige! Schließlich musste vor allen Dingen Domenech dafür sorgen, dass so etwas wie Harmonie aufkommt. Und warum hat man einen Spieler des Formats Samir Nasri nicht mitgenommen?

05. Kultfigur Diego Armando Maradona. „Die Hand Gottes“ beim Dirigieren einer Nationalmannschaft? Präsent war er ja, die Kameras waren stets auf ihn gerichtet. Jedoch kommt man bei dem Urteil nicht um, dass Maradona eigentlich nur wenig Ahnung vom Trainerjob hat und die Ernennung des Teamchefs auf seine vergangenen Leistungen beruht. War er wirklich der Strippenzieher an der Seitenlinie? Ich hatte mehr das Gefühl, dass Argentinien sich selbst aufstellte und trainierte, während Maradona im Liegestuhl seine Zigarren paffte.

06. Mehmet Scholl. „Also ich glaube, Mehmet wär der einzige Mann, dem ich einen blasen würde!”, wurde von Stefan alias Lucas Gregorowicz im Film „Lammbock“ zusammengefasst. Doch muss Mehmet auch als Experte ins Mikro so einen inkompetenten Quatsch hineinblasen? Trotz des „Indie-Bonus“… Mehmet übernimm lieber die Nachfolge von Markus Kavka!

07. Alberto Undiano Mallenco. Der Schiedsrichter im Spiel Deutschland – Serbien zog acht gelbe Karten, eine gelb-rote und zerstörte somit bewusst den Spielfluss. Den Begriff Feingefühl schien er nicht zu kennen, viel mehr drängte er sich mit seiner Kartenflut in den Mittelpunkt des Geschehens. Es gab zwar viele Schiedsrichter-Fehler, die ebenfalls erwähnt werden müssten, doch selten hat man einen so unsympathischen Referee gesehen.

08. Paul. Eisbär Knut, Krake Paul… Man musste diese Tiere einfach irgendwie wahrnehmen… Paul war der Nostradamus im Oberhausener Aquarium und „tippte“ alle Deutschland-Spiele sowie das Finale richtig. Klever Marketing. Dumme Menschheit. Eine Krake startet durch. Es gibt ja wenig wichtigeres, über das man berichten kann. Als nächstes kommt dann Hütchenspieler und Eichhörnchen Bernd Nuss. Zukünftig wird Paul dann auch im Astro TV zu sehen sein. Esoterik, Astrologie und Kartenlegen gehören genauso zu den Stärken.

09. Superstars. Was haben Cristiano Ronaldo, Lionel Messi und Wayne Rooney gemeinsam?Alle drei konnten ihren Superstar-Status nicht bestätigen. Sie gelten als die momentan besten auf dem Planeten. Cristiano Ronaldo (4 Spiele / 1 Tor) war mehr damit beschäftigt Fouls zu schinden, als für die Mannschaft zu arbeiten. Wayne Rooney (4 Spiele / 0 Tore) beschimpfte Schiedsrichter, blieb blass. Vollstrecker-Qualitäten? Keine! Der Fairness halber muss man allerdings „Floh“ Messi (5 Spiele / 0 Tore) in Schutz nehmen. Im Gegensatz zu seinen Kollegen aus Portugal und England glänzte er noch mit vier Assists, hatte aber einen schwierigen Stand gegen manndeckende Abwehrriesen. Eine angepriesene Gala-Vorstellung vom übersinnlichen Messi blieb leider aus.

10. Innerer Reichsparteitag. Für Miro Klose muss sein Tor „ein innerer Reichsparteitag“ gewesen sein. Unwissende verurteilten Katrin Müller-Hohenstein unmittelbar nach ihrer Aussage. Nazi-Regime? NSDAP? Sind ihr jetzt alle Sicherungen durchgebrannt? Müller-Hohenstein trifft hier nicht die Schuld, viel mehr den Leuten, die, bevor sie anfangen zu meckern, den Begriff erst nachschlagen sollten. Die „Welt“ hat in ihrem Artikel „Reichsparteitage waren die völkische Love Parade“ eigentlich alles geklärt. Calm down!

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